Gestern rollte das neueste Stable-Upgrade von Manjaro bei mir ein, welches Manjaro 25.1.0 «Anh-Linh» Preview heisst. Da fragt man sich, wie die Begriffe "Stable" und "Preview" zusammenpassen. Der Grund dafür ist, dass sowohl bei KDE-Plasma als auch beim GNOME-Desktop der Display-Server Xorg entfernt wurde. Anwender von KDE-Plasma müssen vor dem Upgrade auf 25.1.0 das Paket plasma-x11-session installieren, da Plasma 6.5 nur noch Wayland unterstützt. Welche Auswirkungen das auf GNOME-Anwender:innen hat, die ihre Session mit Xorg starten, weiss ich nicht. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Beim Manjaro-Projekt gibt es zu jedem Upgrade eine Umfrage, die Probleme bei der Installation abfragt. Dieses Mal waren die Rückmeldungen von Personen, die Probleme hatten, mit 32 % ungewöhnlich hoch.
Ich konnte meine vier Rechner ohne Probleme auf Anh-Linh aktualisieren, habe meinen "Schutzbefohlenen" jedoch zur Vorsicht geraten und ihnen konkrete Handlungsanweisungen gegeben: Backup machen, prüfen, ob man in Xorg startet, Upgrade beaufsichtigen, usw.
Ptyxis in Nautilus ist weg
Gesundheit! Danke! Wer ist weg? Über die Terminal-Anwendung Ptyxis gibt es einen Artikel bei uns; ebenso über die Einbettung selbiger in den GNOME-Dateimanager Nautilus. Nach dem Manjaro-Upgrade ist die Möglichkeit verschwunden, Ptyxis aus Nautilus aufzurufen. Den genauen technischen Grund dafür kenne ich nicht, habe aber festgestellt, dass das Python-Skript zur Einbettung von Ptyxis in Nautilus nicht mehr gepflegt wird. Die letzte Version ist über 2 Jahre alt und ist sehr wahrscheinlich nicht mehr mit Nautilus 49 kompatibel.
Wer braucht das?
Bevor ich eine neue Lösung präsentiere, stellt sich die Frage, wer das überhaupt benötigt. Beim GNOME-Desktop ist standardmässig die Terminal-Emulation gnome-console installiert und kann aus Nautilus aufgerufen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich so ist. Nun kann es sein, dass ihr Console entfernt habt, weil es nur eine sehr minimalistische Terminal-Erfahrung bietet.
Selbstverständlich könnt ihr den Terminal-Emulator eurer Wahl starten, ohne auf eine Einbindung in den Dateimanager angewiesen zu sein. Bei einer solchen Einbindung spart man sich die manuelle Navigation in den gewünschten Ordner. Auch das ist kein wirkliches Problem, gibt es doch Möglichkeiten, um im Terminal mit einem Kommando in ein beliebiges Zielverzeichnis zu springen, z. B. mit Zoxide. Aber hey, "Weil es geht" ist doch Grund genug.
Der stinkende Affe
Diese Lücke füllt Stunkymonkey mit seinem Skript nautilus-open-any-terminal. Das Paket ist in den Arch-Repositories enthalten und lässt sich mit einem Klick im Paketmanager installieren. Danach gibt es diese Datei:
/usr/share/nautilus-python/extensions/nautilus_open_any_terminal.py
Die könnt ihr euch anschauen, müsst ihr aber nicht. Im Gegensatz zum alten Skript (nautilus-open-in-ptyxis) gibt es keinen Grund, diese Datei zu bearbeiten. Doch wie teilt man dem Affen mit, welches Terminal man öffnen möchte? Das Skript unterstützt 34 verschiedene Terminal-Emulatoren. Da ist für jede:n etwas dabei. Auch Ptyxis wird angeboten. Um dem Skript mitzuteilen, welchen man gerne hätte, gibt es zwei Möglichkeiten:
- Via dconf-editor
- Via Kommandozeile
Die GUI-Anwendung dconf-editor ist in der Regel nicht vorinstalliert. Ich empfehle, sie zu installieren, weil damit viele Einstellungen am GNOME-Desktop möglich sind. Wer das nicht möchte, kann das Wunsch-Terminal auch über diesen Befehl setzen:
gsettings set com.github.stunkymonkey.nautilus-open-any-terminal terminal ptyxis
Im Dconf-Editor sieht es so aus, nachdem ihr zur richtigen Stelle navigiert habt (siehe Breadcrumb):
Nach diesen Vorarbeiten, müsst ihr euch einmal ab- und wieder anmelden. In Nautilus sieht die Terminal-Integration dann so aus:
Und wenn ich dort einen anderen Text sehen will?
Wie man einen beliebigen Text ins Kontext-Menü bringt, habe ich nicht herausgefunden. Wenn ihr im Dconf-Editor eine Ebene höher klickt (/com/github/stunkymonkey/nautilus-open-any-terminal) seht ihr ein paar weitere Optionen. Dort kann man einen Hotkey für die Terminal-Aufruf in Nautilus festlegen oder sich für einen generischen Text im Kontext-Menü entscheiden, der dann "Terminal hier öffnen" lautet.
Titelbild: Screenshot
Quellen: stehen alle im Text




Den String "hier öffnen" kann man on der Übersetzungs Datei unter: ../local/de.po hier ändern:
#: nautilus_open_any_terminal.py:314
msgid "Open {} Here"
msgstr "{} hier öffnen"
Das {} steht für den Terminal Namen