Fabians Desktop

Mi, 27. April 2022, Fabian Schaar

Wie die „eigene“ virtuelle Arbeitsumgebung gestaltet werden sollte oder könnte, ist umstritten – und natürlich eine, wenn nicht die Geschmacksfrage am GNU/Linux-Desktop. Während sich KDE Plasma designtechnisch ganz klar an Windows orientiert und GNOME sich auf gut Glück von vielen Desktop-Gepflogenheiten lossagt, macht es mir immer wieder Spaß, meinen Desktop auf eine vollkommen andere Art und Weise zu konfigurieren – auf das sich die, die „Desktop-Ricing“ betreiben abgestoßen fühlen, und ich den digitalen Schreibtisch besser als jede imaginäre Westentasche kenne.

Nachdem Ralf hier seinen GNOME-Schreibtisch vorgestellt hat, möchte ich meine Mate-Konfiguration ein wenig beleuchten.

Standard wär’ ja langweilig

Der Mate-Desktop ist die Fortführung von GNOME 2 (genauer gesagt 2.32). Und auch, wenn die GNOME-2-Zeiten Jahre zurückliegen, in einer Zeit, in der ich (leider) noch Windows genutzt habe, gefällt mir Mate sehr – und das aus einem einfachen Grund: Die Umgebung lässt mir allem nötigen Spielraum, was Gestaltung angeht, schränkt mich nicht wirklich ein und erlaubt außerdem eine sehr komfortable Integration von Compiz und Konsorten. Mate schafft den Spagat zwischen einem Desktop-Schwer- und Fliegengewicht, ohne Funktionalität für eine geringere RAM- oder CPU-Last einzutauschen. Wie ich oben bereits erwähnt habe, stehe ich auf Desktop-Umgebungen, die sich nicht an Designkonzepten amerikanischer Großkonzerne orientieren. Kein Wunder, das mein Desktop einigermaßen befremdlich wirken könnte – für mich ist er aktuell genau richtig.

Panels

Wie es sich für einen anständigen GNOME-2-Fork gehört, kommen sowohl oben als auch unten ein Panel hin. Das klassische Menü oben links ist meiner Ansicht nach gerade wegen der „Orte“ und dem „System-Teil“ unschlagbar, das Menü ist schlicht und einfach übersichtlich.

Da das Standardmenü von Mate keine Suchfunktion enthält, habe ich auf dem unteren Panel das Mate-Menü des Linux Mint-Projekts verbaut – das lässt sich auch über die Supertaste aufrufen. Über das Zahnrad-Symbol im oberen Panel lässt sich zusätzlich der Mate-Anwendungsstarter aufrufen.

Manchmal stelle ich das untere Panel auch auf die Autohide-Option um. Die Überwachung der Systemlast brauche ich nicht ständig, ebenso wenig wie den Abmeldeknopf in der rechten unteren Ecke. Was derartige Konfigurationen angeht, ist das Mate-Panel einigermaßen flexibel, vor allem aber durch einige Plugins erweiterbar.

Das Cairo-Dock

Wenn MacOS-Nutzer auf ihr Dock-Layout schwören, kann jede Anwenderin des Cairo-Docks nur darüber lachen: Das Cairo-Dock, mit seinem umfassenden Funktionsumfang, versteckt sich bei mir auf der linken Seite des Desktops:

Natürlich lässt sich das Cairo-Dock noch stark erweitern. So werden in dessen Einstellungen noch unzählige Erweiterungen angeboten, vom Papierkorb über eine WLAN-Überwachung und einen RSS-Reader bis hin zu einem verspielten Tux am Dock ist hier wirklich alles Vorstellbare und Unvorstellbare möglich; natürlich bleibt die Frage, wer das will oder braucht.

Ein bisschen GNOME-Shell bitte – aber nicht zu viel

Die Designansätze der GNOME-Entwickelnden bleiben kontrovers, dennoch haben mir die Ideen, der GNOME-3-Versionen gut gefallen: Nicht nur ein Dock auf der linken Seite halte ich für sinnvoll, meiner Ansicht nach ist auch die Workspace-Integration in GNOME-3 einzigartig und gut gewesen. Daher habe ich auch unter Mate einen Arbeitsflächenwechsler eingebaut, wobei die Arbeitsflächen hier statisch sind. Außerdem findet sich auch hier eine Übersicht über die Fenster wieder, davon kann man nicht genug haben. Die selbsternannte Arbeitsflächenverwaltung organisiere ich über ein dickes senkrechtes und halbtransparentes Panel, das immer ausgeblendet wird, wenn man es nicht explizit mit der Maus schubst.

Der Rest

Natürlich war das bisherige nur eine sehr grobe Beschreibung der Konfigurationen, die ich momentan nutze. Meiner Ansicht nach stellen sie eine gute Kombination zwischen den Funktionsweisen von Mate, den besseren Ideen aus dem aktuellen GNOME und eigenen Gewohnheiten dar, die sich für mich, nicht zuletzt, weil Mate im Wesentlichen auf GTK-3 basiert, vertraut anfühlen.

Das Theme und die Icons gehören übrigens zur Standardauslieferung von Mate. Natürlich mache ich mir mit einer derartigen Aussage wohl eher weniger Freunde, aber flache Themes und Icons sprechen mich einfach nicht an – mir kommen sie auf eine gewisse Art und Weise charakterlos, irgendwie zu glattgebügelt vor. Wäre ein Desktop mit flachen Themes und Icons real, wäre er wahrscheinlich ein Schreibtisch, der fünfmal am Tag geputzt wird, damit ja kein Staubkorn darauf kommt. Klar, jeder und jedem das seine, aber ganz ehrlich: irgendwie ist das Konzept doch unglaubwürdig. ;)

Natürlich lässt sich eine Desktopumgebung in ihrem Funktionsumfang, mit ihren Anwendungen und ihren spezifischen Kniffen nur vollständig erleben, wenn man sie selbst einmal ausprobiert – egal in welcher Konfiguration.

Um allen, die sich bisher vor Mate gescheut haben, die Desktopumgebung noch ein bisschen schmackhafter zu machen, ein paar Stichworte: frei platzierbare und größenverstellbare Schreibtischsymbole, wahlweise Wackelfenster via Compiz (siehe „Mate Tweak“) und der Fisch Wanda im Panel: Was will man mehr?

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Desktop, Mate, Design, Konfiguration