Freie Hardware: Das PowerPC Notebook

Fr, 29. Oktober 2021, Niklas

Das Spiel hat sich gewendet, jetzt ist GNU/Linux überall und läuft auf jeder CPU Architektur und jedem Gerät. Es ist der richtige Zeitpunkt, um neue Entscheidungen zu treffen und ein Open Hardware PowerPC Notebook optimiert für GNU/Linux zu entwickeln. Lass es geschehen!

Mit diesen Worten bewirbt das Projekt sein Vorhaben, ein nahezu vollständig quelloffenes Notebook zu entwickeln. Zugegeben, die Einleitung ist sehr optimistisch und wir sind noch weit davon entfernt, dass Linux wirklich auf jedem Computer zu finden ist, aber dieses Projekt könnte uns wieder ein Stück näher dorthin bringen.

Der Blog des Projekts geht zurück bis zum 13. Oktober 2014, an dem das Vorhaben erstmals vorgestellt wurde. Nachdem das letzte Notebook mit PowerPC CPU, ein Apple MacBook, im Jahr 2005 produziert wurde, wollten die Macher des PowerPC Notebook Projekts diese Geräteklasse wieder aufleben lassen.

Ein leistungsstarkes, upgradefähiges PowerPC Notebook mit GNU/Linux war das Ziel. Dazu sollten Freescale (heute NXP Semiconductors) SoCs zum Einsatz kommen. SoCs dieses Herstellers waren auch in früheren MacBooks zu finden. Sie wurden kontinuierlich weiterentwickelt und können mit heutigen x86 und ARM CPUs problemlos mithalten.

Heute, sieben Jahre später, steht das Projekt kurz vor der Produktion von drei voll funktionsfähigen Prototypen des Geraets. Die Crowdfunding-Kampagne für diesen Entwicklungsschritt startete am 13. Dezember 2020 und das Ziel ist mehr als erreicht - Es wurden 102 % der benötigten 13500 Euro eingenommen und die Kampagne läuft noch 33 Tage.

Wann und zu welchem Preis das PowerPC Notebook letztendlich zu kaufen sein wird, ist noch nicht abzusehen. Mit den Prototypen kann aber davon ausgegangen werden, dass sich die Entwicklung der Fertigstellung nähert. Natürlich werden wir darüber berichten, wenn es so weit ist.

Hier alle relevanten Daten zur Hardware:

  • CPU: NXP T2080 e6500 64-Bit mit 4 Kernen und Multithreading, 2 MB L2 Cache, 16 GFLOPS je Kern
  • RAM: 2 x RAM Steckplätze für DDR3L SO-DIMM Arbeitsspeicher
  • Grafik: MXM3 Radeon HD Grafikkarte (auswechselbar)
  • Audio: C-Media 8828 Soundchip, Anschlüsse für Audioeingang und Audioausgang
  • USB: USB 3.0 und USB 2.0 Anschlüsse
  • Speicher:
    • NVMe, M.2 2280 Anschluss
    • 2 x SATA3
    • 1x SDHC Kartenlesegerät
  • Netzwerk:
    • 1 x Ethernet RJ-45 Anschluss
    • WLAN-Verbindung
    • Bluetooth-Verbindung
  • Stromanschluss: Akkuladegerät und Power-Management eingebaut
  • Gehäuse: Slimbook Eclipse Notebookgehäuse mit 15,6 Zoll (ca. 40 cm)

Die Hardware wird quelloffen sein, es ist jedoch möglich, dass die Designs einiger Chips teilweise unter Geheimhaltungserklärungen stehen. Auch die Boot Firmware wird Open-Source sein, hier soll der U-Boot Bootloader unter der GPL v2.0 Lizenz zum Einsatz kommen.

Alle bestehenden GNU/Linux Distributionen mit PowerPC Unterstützung werden auf dem Gerät funktionieren, da die Treiber für die verwendete Hardware und der Code für die CPU bereits im Linux Kernel enthalten sind. Nur beim Bootloader sind Anpassungen nötig. Da die Hardware quelloffen ist, wird es auch möglich sein, andere Betriebssysteme für das Gerät zu portieren.

Das PowerPC Notebook ist ein richtiges Community-Projekt und jeder mit Interesse kann sich daran beteiligen. Es wurde von Roberto Innocenti gestartet und zählt mittlerweile 19 Mitwirkende aus vielen unterschiedlichen Ländern.

Als Grund für die Auswahl der PowerPC Architektur wird erklärt, dass die PowerPC Architektur deutlich neuer ist, als die anderen erfolgreichen CPU Architekturen und von Anfang an mit mehr Funktionen entwickelt wurde. Sie befindet sich in kontinuierlicher Weiterentwicklung und skaliert von embedded Geräten bis zu grossen Serverclustern.  Ausserdem ist Power ISA seit August 2019 Open-Source.

Das frühere Scheitern von PowerPC im PC-Markt wird mit den proprietären Programmen erklärt, die damals eben nur für x86 und Motorola 68k CPUs verfügbar waren. Durch die starke Verbreitung von Freier Software heutzutage können auch auf einem PowerPC Notebook alle gängigen Open-Source-Programme benutzt werden.

Wer die Verfügbarkeit eines wirklich freien Notebooks beschleunigen will, kann selbst dazu beitragen - entweder durch aktive Beteiligung am Projekt in Form von Mitarbeit oder durch finanzielle Spenden. Das aktuelle Crowdfundingziel ist zwar erreicht, aber dieses gilt nur für den aktuellen Entwicklungsschritt. Bis zur Fertigstellung sind noch weitere Kampagnen geplant.

Das PowerPC Notebook Projekt wird getragen von der Power Progress Community, einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Milan, Italien, die im Jahr 2016 gegründet wurde.

Quellen: