GLN012 - Textverarbeitung, Kernel kompilieren, Sponsoring für FOSS-Projekte, 3D-Druck

Sa, 3. Juli 2021, Ralf Hersel

Folge 12 des GnuLinuxNews-Podcasts, aufgenommen am 24. Juni 2021.

In dieser Folge sprechen Ralf, Lioh, Ferdinand und Nils über Anwendungsfälle für Textverarbeitung, die Möglichkeit, den Linux-Kernel selbst zu kompilieren, wie man Open-Source-Projekte durch Spenden und Sponsoring finanzieren kann, sowie die Geschichte und den aktuellen Stand des 3D-Drucks. Bereichert wird diese Folge durch ein Interview mit dem Produktmanager von Tuxedo Computers: Vinzenz Vietzke.

Shownotes

Textverarbeitung

  • Umfrage von GNU/Linux.ch auf Mastodon (Ergebnisse von ca. 150 Personen)

    • 55% LibreOffice Writer o.ä.

    • 35% LaTeX o.ä.

    • 8% Andere

    • 2% Cryptpad o.ä.

  • Anwendungen

    • Beispiele: LibreOffice, Softmaker (proprietär), Online Office Software wie Collabora / OnlyOffice, Abiword)

    • Welches Speicherformat, welches Ausgabeformat? ODF, PDF

    • Alternativen: LaTeX / LyX, Markdown

  • Use Cases

    • Briefe, Dokumentation, lange Texte schreiben --> richtige Textverarbeitung

    • Kurze Texte --> Texteditor, Sticky-Notes, Tomboy

    • Kollaborative Texte --> Nextcloud MD-Editor, Cryptpad, usw.

    • Knowledge Base --> ZIM, Joplin, SimpleNote, UniTree

Kernel selbst Kompilieren für und wider

  • Wer compiliert seinen Kernel selbst?

  • Welche Vor- und Nachteile gibt es

    • Gezielte Anpassung auf das Zielsystem möglich

    • Performance

    • Features aktivierbar welche im Standardkernel möglicherweise nicht aktiv sind (Beispiel: AppArmor)

    • Nachteil: bei neuen Kernelversionen muss man diese nachführen

  • Einfacher Einstieg:

    • zcat /proc/config.gz > .config

    • make olddefconfig

Wie können Linux und Open-Source-Projekte Spenden und Sponsoring einnehmen und verwalten?

Was gibt es für Möglichkeiten?
Selbstverwaltet:
  • Bankkonto

  • PayPal

Über eine Organisation:
  • e.V.

  • Software in the Public Interest (SPI)

  • Patreon (US)

  • Steady (DE)

  • Tipeee (FR)

  • Liberapay

  • Open Collective

Ich war kürzlich selbst in der Situation, finanzielle Mittel für siduction requirieren zu müssen. Unser langjähriger Freund und Sponsor ist plötzlich und unerwartet verstorben und es mussten neue Server gemietet werden. Da ich bereits negative Erfahrungen mit einem e.V. hatte und weiß, dass Paypal gerne mal Spendenkonten sperrt, wenn sie nicht in einen Business-Account fließen, fielen diese Möglichkeiten schon mal weg.

Gesucht wurde eine Organisation, die selbst Open Source ist und sowohl einmalige Spenden als auch wiederkehrendes Sponsoring ermöglicht und dabei möglichst in DE/EU angesiedelt sind. Das reduzierte die Auswahl praktisch automatisch auf Open Collective, mit dem wir bisher sehr zufrieden sind.

Hier ein Abriss zu dem was OC bietet: https://medium.com/open-collective/what-is-open-collective-how-it-works-c51bacc73d94

Die Vorteile für mich sind die völlige Transparenz. Jeder kann jederzeit sehen was reinkommt und rausgeht und wofür. Man braucht steuerlich keine eigene Organisation oder ein Bankkonto für die Spenden. Open Collective nimmt 10 % + Kreditkartengebühren (normalerweise 3 % + 0,30 $/Transaktion) des vom Kollektiv gesammelten Geldes für die Nutzung der Plattform sowie für die Verwaltung der Buchhaltung, der Steuern und der Verwaltung der Erstattung ihrer Ausgaben. Wir teilen diese Provision mit der Host-Organisation (dem rechtlichen Eigentümer des Bankkontos, auf dem das Geld im Namen des Kollektivs liegt).

3D-Druck, Segen für die Freiheit?

  • 1984 3D Druck wird Patentiert von Chuck Hull von 3D Systems corp.

  • 2009 lief das Patent aus und wurde von dem Projekt RepRap aufgegriffen und man Publizierte einen open source 3D drucker zum nachbauen.

  • Josef Prusa beteiligte sich damals an dem Projekt und steuerte seine eigen Version des damaligen Druckers dem "Mendel" bei und nannte ihn "Prusa Mendel"

  • Der "Prusa Mendel" war die basis für den "Prusa i3" welcher heute Millonenfach kopiert wird.

  • 3D-Druck hilft unserer Gesellschaft Ressourcen zu sparen, Integration zu fördern (Möbelbau spezielle Griffe für Menschen mit Behinderung), Orthesen / Prothesen, Eigentum zu reparieren und zu verbessern, Upcycling, eigene Ideen zu realisieren.

  • Sechster Finger: https://invidious.silkky.cloud/watch?v=oQ5SNLhC55k&autoplay=0

  • Böse Zungen behaupten: "Alles Raubkopierer". Hier muss man ganz klar sagen kann man machen. Aber meiner Erfahrung nach konstruiert man Dinge nach, die man nicht mehr kaufen kann. Oder es wird ein ganz spezielles Teil benötigt, welches man gar nicht Kaufen kann.

  • Ist das zurzeit was für Jeden? Nein, wir sind noch ein ganzes Stück davon entfernt, dass einfach jeder einen 3D-Drucker kaufen kann wie die normalen 2D Drucker. Es muss immer noch gebastelt werden und man muss sich mit der Materie vertraut machen. Es ist einfacher als vor 5 Jahren, aber noch nicht so weit das man auspackt und 2 Stunden später hat man den Perfekten Druck. Wenn man aber die Zeit und die Lust hat sich damit zu beschäftigen ist es ein geniales Hobby.

  • https://www.prusa3d.de/

  • https://reprap.org

  • https://www.youtube.com/watch?v=xX3pDDi9PeU

Interview - Vinzenz Vietzke - TuxedoComputers

Schbezzy
Geschrieben von Schbezzy am 4. Juli 2021

Open collective wäre was für unser Steuersystem 😂