Zum Wochenende: Die Cloud verhindert digitale Souveränität

Fr, 4. Februar 2022, Ralf Hersel

Die Open Source Business Alliance ist der Bundesverband für digitale Souveränität (e.V.), in dem sich 170 Mitglieder der deutschen Open Source Wirtschaft zusammengeschlossen haben. Der Verein hat gestern eine Argumentation unter dem Namen "Warum die Entscheidung für eine Microsoft Cloud den Aufbau echter digitaler Souveränität verhindert", publiziert.

Darin wird die zunehmende Abhängigkeit der öffentlichen Stellen von den proprietären Cloud-Anbietern thematisiert und als Gefahr für die Verwaltung beschrieben. Dadurch entstünde eine gewaltige, unüberwindbare Abhängigkeit zu Microsoft u.a., die staatliche Akteure zwingen würde, nahezu jeden aufgerufenen Preis zu bezahlen; zukünftig auch auf ursprünglich durchgesetzte Zugeständnisse in Bezug auf Datensicherheit und Unabhängigkeit von amerikanischen Behörden verzichten zu müssen, sowie nicht-offene, proprietäre, von Microsoft gesetzte Standards zu akzeptieren, an denen sich ggf. andere (EU-)Staaten und grosse Teile der Wirtschaft ausrichten müssten.

Die OSB-A fasst wie folgt zusammen und nennt Handlungsempfehlungen:

  • Nur vollständig Open Source basierte Angebote erzeugen technologische Souveränität in ausreichendem Masse, besonders für die Implementierung und Abwicklung staatssouveräner Aufgaben und kritischer Industrieanwendungen.
  • Open-Source-Cloud-Anwendungs- und Infrastruktur-Alternativen zu den Angeboten der sogenannten Hyperscaler haben grosses Sprunginnovationspotential. Sie können die Grundlage einer nachhaltigen europäischen Digitalwirtschaft werden.
  • Deshalb muss mit gezielter staatlicher Beauftragung das Open-Source-Ökosystem initial gestärkt werden, um privatwirtschaftliche Investitionen und die lokalen Anbieter zu aktivieren.
  • Jede Investition in Open Source steht sofort der Allgemeinheit zur Verfügung und kommt somit auch der deutschen Wirtschaft und Zivilgesellschaft zugute.
  • Eine Kooperation mit Microsoft (oder jedem beliebigen proprietären Angebot) zum Aufbau einer „souveränen“ Cloud steht diesen Zielen entgegen. Durch die einseitige Abhängigkeit droht eine hohe Erpressbarkeit von Staat und Gesellschaft.
  • Digitale Abhängigkeit beginnt bereits bei der IT-Infrastruktur. Ein späterer Wechsel der Cloud-Plattform birgt hohe, für viele Organisationen unüberwindbare, Kosten und Aufwände. Der Staat muss heute bereits die Weichen für eine souveräne und offene Cloud stellen.

Ich empfehle den gesamten Artikel der OSB-A als Wochenendlektüre.

Quelle: https://osb-alliance.de/featured/warum-die-entscheidung-fuer-eine-microsoft-cloud-den-aufbau-echter-digitaler-souveraenitaet-verhindert