Google erweitert Suchmaschinenauswahl auf Android

Do, 10. Juni 2021, Ralf Hersel

Das ist ein Meinungs-Beitrag.

Nach einer Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro hatte die Europäische Kommission im Jahr 2018 Google gezwungen, bei der Installation eines Android Smartphones auch andere Suchmaschinenanbieter zu berücksichtigen. Allerdings mussten sich die Konkurrenten in einem Auktionsverfahren einen Platz auf dem "Choice Screen" erkaufen.

Nachdem die Europäische Kommission mit der Umsetzung weiterhin unzufrieden war und den Druck aufrechterhalten hat, macht Google die Bewerbung um einen Platz in der Suchmaschinenauswahl nun kostenfrei und lässt jetzt maximal 12 berechtigte Anbieter zu. Dazu schreibt Google-Manager Oliver Bethell in einem Blogbeitrag:

Nach weiteren Rückmeldungen der Kommission nehmen wir nun einige endgültige Änderungen am Choice Screen vor, darunter die kostenlose Teilnahme für berechtigte Suchanbieter. Ausserdem werden wir die Anzahl der Suchanbieter, die auf dem Bildschirm angezeigt werden, erhöhen. Diese Änderungen werden ab September dieses Jahres auf Android-Geräten in Kraft treten.

Soviel zu den Fakten; nun zur Meinung. Diese Änderung bedeutet eine Öffnung des Marktes und gibt den übrigen Suchmaschinen eine faire Chance sich den Anwenderinnen zur Auswahl zu stellen. Insbesondere der Verzicht auf die teure Auktion erlaubt es auch kleineren Anbietern auf dem Choice Screen zu erscheinen. Andererseits reden wir hier nur von einer einmaligen Auswahl bei der Inbetriebnahme eines neuen Android-Smartphones. Eine Aufklärung über Vor- und Nachteile der verschiedenen Suchmaschinen findet nicht statt. Bei dieser Ausgangslage ist zu vermuten, dass unbedarfte Anwender sich für das entscheiden, was sie kennen: Google. Besser wäre es, wenn Google auch die Suchmaschinenplätze in der Desktop-Version des Browsers Chrome freigeben und die Wahl-Option nicht nur anbieten würde, wenn ein Smartphone neu installiert wird.

Grundsätzlich lehne ich die Monopolstellung von Google und das profitorientierte Ranking der Suchergebnisse ab. Vom Profiling zu Werbezwecken ganz zu schweigen. Bei den alternativen Suchmaschinen ist die letzte Messe noch nicht gelesen. Wer auf verzerrte Ergebnisse steht, kann einen Privacy-Wrapper verwenden, wie z.B. Startpage oder Trooia (befindet sich noch im Aufbau). Etwas breiter aufgestellt sind Suchmaschinen wie DuckDuckGo, die immerhin aus 400 Quellen ihre Suchergebnisse beziehen und Metager (basiert auf 50 Search Engines). Dann gibt es noch Qwant mit einer eigenen Search Engine oder Swisscows, die ihre Ergebnisse von Microsoft Bing beziehen. Ich könnte die Liste noch fortsetzen mit Mojeek, SearX, Peekier, Ecosia, Gibiru, usw. Meine Wahl ist auf die Ente gefallen; ich verwende DuckDuckGo seit langem als Alternative zu Google.

Dazu gibt es auf GNU/Linux.ch auch noch zwei empfehlenswerte Artikel:
https://gnulinux.ch/alternative-suchmaschinen
https://gnulinux.ch/alternative-suchmaschinen-2

Quelle: https://blog.google/around-the-globe/google-europe/changes-android-choice-screen-europe