Messenger-Interoperabilität

Fr, 5. November 2021, Ralf Hersel

Wie sicher die persönlichen Daten bei Messenger- und Video-Diensten sind, treibt zurzeit viele Nutzerinnen und Nutzer um. Sollten Gesetzgeber und Behörden dafür sorgen, dass eine Kommunikation über die verschiedenen Anbieter hinweg möglich ist? Das Bundeskartellamt hat gestern einen Zwischenbericht „Branchenüberblick und Stimmungsbild Interoperabilität“ zu seiner Sektoruntersuchung Messenger- und Video-Dienste veröffentlicht. Dieser gibt einen Branchenüberblick und untersucht das Stimmungsbild zur Interoperabilität zwischen den Diensten.

Mit dem Zwischenbericht bietet das Bundeskartellamt zunächst einen Überblick über die Rahmenbedingungen der Branche sowie die verschiedenen Anbietergruppen, Funktionalitäten und Geschäftsmodelle. Ausserdem werden die Ergebnisse einer Befragung von über 40 verschiedenen Diensteanbietern zum Thema Interoperabilität dargestellt und eine erste rechtliche, technische und wissenschaftliche Einordnung dazu vorgenommen. Ziel ist es, im kommenden Jahr einen Abschlussbericht mit konkreten Handlungsempfehlungen zu präsentieren.

"Messenger- und Video-Dienste haben während der Pandemie noch einmal einen enormen Boom erlebt. Gleichzeitig haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher Bedenken wegen der Sicherheit und dem Schutz ihrer persönlichen Daten. Wir untersuchen, ob und in welchem Ausmaß tatsächlich gegen Datenschutz und Verbraucherrechte verstoßen wird. Zudem gehen wir der Frage nach, welche konkreten Auswirkungen eine unkomplizierte Kommunikation über die verschiedenen Dienste hinweg hätte, wenn also die oft geforderte Interoperabilität gegeben wäre", so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

Erwartungsgemäss stösst die Idee der Kommunikation über Messengerdienste hinweg, bei den befragten Anbietern auf wenig Gegenliebe. Die Mehrheit sieht in einer möglichen Verpflichtung zu Interoperabilität einen unerwünschten Kostenfaktor, erhöhte Bürokratie, eine Innovationsbremse und eine Verschlechterung der Sicherheit.

Andreas Mundt: Wenn man über gesetzliche oder behördliche Maßnahmen diskutiert, muss man im Blick haben, dass die Branche sehr heterogen aufgestellt ist. Neben den großen etablierten Diensten gibt es zahlreiche weitere Anbieter mit unterschiedlichsten Geschäftsmodellen und Funktionen. Auch das Thema Interoperabilität hat viele Facetten. Einerseits kann darin die Lösung liegen, um den Automatismus zu durchbrechen, dass grosse Dienste immer mehr Nutzerinnen und Nutzer anziehen. Aber kann eine bessere Erreichbarkeit zwischen den Diensten auch die Anreize für die Anbieter erhöhen, ein höheres Datenschutzniveau anzubieten? Andererseits muss man sich mit technischen Hürden und einer eventuell notwendigen Standardisierung auseinandersetzen. Das könnte wiederum eine Bremse für Innovationen und den Wettbewerb sein. Hier müssen wir künftig das richtige Mass finden.

Im kommenden Jahr wird der Abschlussbericht dieser Sektoruntersuchung mit konkreten Handlungsempfehlungen präsentiert.

Quelle: https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2021/04_11_2021_SU_Messenger-Dienste_Zwischenbericht.html?nn=3591568