Open-Source-Strategie der EU-Kommission

Fr, 23. Oktober 2020, Ralf Hersel

Unter dem Motto "Think Open" hat die EU-Kommission gestern eine neue Open-Source-Strategie vorgelegt. Diese soll die Kommission zu einer aktiven Teilnehmerin der Open Source Community machen. Die Strategie bezieht sich primär auf das Handeln innerhalb der Kommission, soll aber auch ausserhalb einen Wandel bewirken:

Wir wollen einen tatkräftigen Beitrag zu innovativen sicheren Digital-Lösungen leisten, an denen man sich beteiligen und die man wiederverwenden kann, um digitales Regieren und Verwalten in der EU voranzutreiben.

Das Strategiepapier nennt unter anderem diese Argumente, die für Freie Software in der öffentlichen Verwaltung sprechen.

  • Open Source ist öffentlichen Diensten im Wesen sehr ähnlich:
  • Es handelt sich um öffentlichen Programmcode, weshalb das darin investierte öffentliche Geld gut angelegt ist, denn Quelloffenheit fördert Wahlfreiheit und verhindert die unfreiwillige Bindung an bestimmte Anbieter.
  • Quelloffenheit erleichtert die Nutzung und Weiterverwendung von Softwarelösungen, sodass wir unsere Bemühungen zum Aufbau wertvoller grenzüberschreitender und interoperabler Dienste bündeln und dabei die Effizienz steigern können.
  • Und es ist einfach und effizient, neue Funktionen zu quelloffener Software hinzuzufügen, die dann zu beliebigen Zwecken frei und unbeschränkt weitergegeben werden darf. Das ist für alle von Vorteil.

Quelloffene Software soll nun bei gleichen Leistungen bevorzugt werden und die Arbeitsmethoden der Community in der gesamten Kommission zum Einsatz kommen, nicht nur in der IT. Die Worte „Public Money, Public Code“ benutzt nun auch die Kommission, bezieht sich allerdings nur auf ausgewählte Fälle, in denen sie es sinnvoll findet, eigene Software offen und frei benutzbar zu machen. Aber die eigenen EntwicklerInnen sollen ab und zu Code zu externen Projekten beitragen und eigenen Code mit weniger Bürokratie freigeben dürfen.

Zudem möchte die Kommission aktives Mitglied der Community werden, ohne dazu mit Fördermitteln beizutragen, sondern durch Mitarbeit in Gremien und Projektleitungen. Ausserdem möchte man Interoperabilität von Software und offene Standards fördern, um damit die digitale Souveränität in Europa herzustellen.

Die Reaktionen auf die neue Strategie fallen gemischt aus. Sowohl die Free Software Foundation Europe (FSFE), als auch der Think Tank "OpenForum Europe", begrüssen die grundsätzliche Anerkennung der Vorteile freier Software. Der FSFE fehlen jedoch die konkreten Ziele und befürchtet daher, dass die Strategie zu wenig erreichen wird.

Quellen:

https://ec.europa.eu/info/departments/informatics/open-source-software-strategy_en#opensourcesoftwarestrategy

https://netzpolitik.org/2020/wie-die-eu-kommission-an-der-eigenen-digitalen-transformation-arbeitet/

https://www.openforumeurope.org/ofe-welcomes-the-european-commissions-new-open-source-software-strategy/

https://fsfe.org/news/2020/news-20201023-01.de.html