Serie: Ralf regt sich auf über CachyOS mit KDE-Plasma

  Ralf Hersel   Lesezeit: 6 Minuten  🗪 1 Kommentar Auf Mastodon ansehen

Wird Kachy-Plasma das neue Traumpaar auf meinem Rechner? Lest diesen Artikel ohne viel Aufregung. Vielleicht gibt er Anregungen für den eigenen Wechsel.

serie: ralf regt sich auf über cachyos mit kde-plasma

Hinweis: Das ist ein Meinungsartikel.

Yeah, endlich regt sich Ralf wieder über etwas auf. Es gab viele Kommentare dazu, dass euch diese Serie gefallen hat, weshalb ich sie gerne fortschreibe. Zur Einordnung sei gesagt, dass ich mich nur künstlich aufrege und diese Artikelserie mit einer Prise Humor gelesen werden sollte. Die Aufreger in diesem Beitrag sind schwer zu finden.

In meinem fortgeschrittenen Alter sollte man sich nicht mehr aufregen, sondern die Dinge so nehmen und geniessen, wie sie sind. Doch weit gefehlt, in mir steckt immer noch der Distrohopper. Ich würde nicht seit 25 Jahren zu diesem Thema schreiben, wenn mir die Vielfalt der freien Distributionen und Desktopumgebungen nicht am Herzen läge.

Also, frisch auf:

CachyOS mit KDE-Plasma

Von mir gibt es viele Artikel, in denen ich KDE-Plasma und CachyOS ausprobiert habe – immer wieder und wieder. Dabei lag meine Motivation in der Information der Community. Heute ist das anders, weil mich der GNOME-Desktop nervt. Er ist zwar optisch schön und ausgewogen, hat aber grosse Defizite, wenn es um Leistung und Einstellbarkeit geht. Deshalb bin ich seit Monaten ernsthaft auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Vor fünf oder sechs Jahren bin ich von Ubuntu auf Manjaro/GNOME umgestiegen und habe es keinen Tag bereut. Diese Kombination ist sehr stabil, dank des Manjaro-Release-Modells. Ja, viele meckern über Manjaro, was jedoch im wahren Leben unbegründet ist, bzw. keine Auswirkungen auf eure Linux-Erfahrung hat. Diese Distro läuft wie eine Eins und bietet eine gute Komponenten-Abstimmung.

Beim GNOME-Desktop sieht das anders aus. Für meinen Geschmack ist es immer noch der schönste Desktop in der GNU/Linux-Welt. Insbesondere durch die Einführung von LibAdwaita und Gtk4 erscheinen die meisten Anwendungen wie aus einem Guss. Doch GNOME hat den langsamsten Desktop auf Erden, mit den höchsten RAM-Anforderungen. Ich habe es schon oft geschrieben: Im Jahr 2026 ist für mich die Performance eine Selbstverständlichkeit, zumindest auf aktueller Hardware. Alle Anwendungen, die länger als einen Wimpernschlag zum Öffnen benötigen, halte ich für inakzeptabel. Auch wenn es nur um ein paar Sekunden geht: Stehlt mir nicht meine Zeit!

CachyOS

Vor ein paar Tagen ist die August-ISO dieser relativ neuen Distro aus Deutschland von Peter Jung und dem Team aus der ganzen Welt erschienen. Mit dieser Version wurden der Installer verbessert und Shelly 3.0 als Paketmanager etabliert. Alle weiteren Neuerungen findet ihr in den Release-Notes. Die Installation läuft wie Sahne und erhält von mir 10 von 10 Punkten.

Das Besondere an CachyOS ist das Abschneiden alter Zöpfe. Wie kaum eine andere Distribution schert sie sich nicht um alte Architekturen und Prozessoren. CachyOS bedient nur noch aktuelle Hardware und lässt damit die Bürde fast aller anderen Distros hinter sich, auch noch den uralten Computer zu unterstützen.

Ja ja, Linux ist das Betriebssystem, mit dem ihr euer altes Eisen retten könnt. Das ist schön und gut, aber warum soll es nicht eine Distribution geben, die sich dem entgegenstellt? Mir gefällt das.

Was gibt es sonst noch über CachyOS zu sagen? Das Paketmanagement ist im Umbruch. Einerseits gibt es den CachyOS-Updater, anderseits ist Shelly als Paketmanager gesetzt. Beide Anwendungen erscheinen im SysTray, und man weiss nicht genau, welche man davon verwenden soll. Hier würde ich mich über eine konsequente Umsetzung freuen. Der CachyOS-Updater kümmert sich ohnehin nur um die Arch-Pakete und ist nicht mehr als ein GUI-Wrapper für Pacman. Shelly lässt selbst in der neuen Version 3.0 noch viele Wünsche offen, ist aber ein grosser Fortschritt zur vorherigen Version.

Shelly 3.0

KDE-Plasma

Nach meinen vielen Versuchen mit dem KDE-Desktop, war ich bislang immer der Meinung, dass es sich dabei um einen Nachbau von Windows95 handelt :) Dieses Vorurteil ziehe ich zurück. Der Installer von CachyOS bietet viele Desktop-Umgebungen an, doch Plasma ist der Standarddesktop. Nach der Installation erhält man ein dunkles Design mit einem schwebenden Dock/Panel/Launcher/Bar (?) am unteren Bildschirmrand. Das kennt ihr alle, weshalb ich lieber meinen KDE-Desktop mit ein paar Modifikationen zeige:

Ralfs KDE-Plasma-Desktop - Erste Iteration

Was habe ich verändert?

  • Kontrollleiste (so heisst es richtig) nach oben verschoben
  • "Schwebend" aufgehoben, um ein wenig Platz zu sparen
  • Häufige Anwendung gepinnt
  • Datum in die Mitte verlegt
  • Datumsformat angepasst
  • Für das Hintergrundbild in den Einstellungen das Modul "Bing Wallpaper" eingerichtet

Ja, ich weiss, was jetzt kommt: "Ralf versucht den GNOME-Desktop nachzubauen". Warum nicht?

Was mir bisher gut gefällt:

  • Die Standard-Apps (Dateimanager, Screenshot-Werkzeug, Bildbetrachter, Editor (Kate), Terminal (Konsole oder Alacritty)) gefallen mir alle besser als die Default-Tools bei GNOME.
  • Die Geschwindigkeit (was wohl eher an CachyOS, als an KDE-Plasma liegt).
  • Die Fenster behalten ihre Grösse und Position nach einem Neustart.
  • Es gibt Session-Restore.
  • Die vielfältigeren Einstellmöglichkeiten und der Komfort bei den Systemeinstellungen (Suche, Schnelleinstellungen).

Die Aufreger

Jetzt komme ich endlich zum Serienthema. Was mir nicht gefällt, sind:

  • Die PIM-Suite verstehe ich nicht. Kontact scheint die Klammer zu sein, die alles zusammenfasst. Bei der Installation werden die anderen Komponenten als Abhängigkeiten angezeigt, aber nicht installiert, wenn man sie auswählt. Das sind: akregator, kaddressbook, kmail, korganizer und zanshin. Also: E-Mail, Kontakte, Kalender, Aufgaben und Journale. Diese Module erschienen erst in Kontact, nachdem ich sie einzeln installiert hatte.

  • Die Konfiguration der Kontrollleiste ist gewöhnungsbedürftig. Davon hätte ich euch gerne ein Bild gezeigt, doch das kann das Screenshot-Werkzeug nicht.

  • Minimierte Anwendungen haben keinen Indikator in der Kontrollleiste, sondern nur einen kaum sichtbaren grauen Hintergrund hinter dem Launcher-Icon. Woher weiss man, dass da noch Apps laufen? Aber das kann man bestimmt umkonfigurieren.

  • Die Konfiguration der Datumsanzeige ist fehlerhaft. Beim benutzerdefinierten Datumsformat hat die Einstellung nichts mit dem Ergebnis zu tun, wie ihr hier sehen könnt:

  • Vorhin habe ich die vielfältigen Einstellmöglichkeiten gelobt. Doch die Wahl kann auch zur Qual werden. Wie bringe ich den doofen hüpfenden Cursor weg?

  • Mein grösster Aufreger sind die Online-Zugänge (Nextcloud). Diese sind für mich sehr wichtig, weil darüber die gesamte PIM-Synchronisation läuft. In den Systemeinstellungen werden unter dem Punkt "Online-Zugänge" diverse Dienste angeboten, u. a. auch Nextcloud. Ich weiss nicht, warum und wann es passiert, aber plötzlich sind sie weg (nur "OpenDesktop" bleibt übrig). Ich vermute, es hat etwas mit der Installation der PIM-Suite (siehe oben) zu tun.

Es ist klar: Man kann drei Tage intensives Gefummel in KDE-Plasma nicht mit einer zwanzigjährigen Erfahrung mit dem GNOME-Desktop aufwiegen. Andererseits zeigt es jedoch, wie intuitiv sich ein (aus meiner Perspektive) neuer Desktop bedienen und einrichten lässt. Ich bin mir absolut sicher, dass sich meine KDE-Anfängerprobleme in Kürze lösen werden.

Aber Ralf, was ist denn mit COSMIC?

Der COSMIC-Desktop von System76 (Pop!OS) ist eine tolle Neuerscheinung im Bereich der Arbeitsumgebungen. Noch vor ein paar Monaten dachte ich, dass CachyOS mit COSMIC das Beste für mich ist. COSMIC hat viel Potenzial und entwickelt sich schnell, ist aber meiner Meinung nach noch zu unreif für den täglichen Betrieb.

Fazit

Wie angekündigt, hält sich meine Aufregung dieses Mal in Grenzen. Ich verbuche es lieber unter der Rubrik "habe keine Ahnung". Die Kombination aus dem superschnellen und Arch-basierten CachyOS mit dem Konfig-King-Kong KDE-Plasma gefällt mir. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich nach Jahrzehnten den GNOME-Desktop verlasse. Viele weitere Tests, die Lust auf etwas Neues und der Wille, zu lernen, werden es zeigen.

Titelbild: selbst gebastelt

Quellen: (viele stehen im Text)

https://cachyos.org/

https://cachyos.org/download/

Tags

CachyOS, KDE-Plasma, Distrohopping

Stefan Draxlbauer
Geschrieben von Stefan Draxlbauer am 11. August 2026 um 20:25

Vieles, gerade in Bezug auf Kontact kann ich gut verstehen. Gerade auch KMail ist echt eine Applikation, die man viel manuell einstellen muss... Trotzdem ist es mir lieber als Thunderbird aus vielen Gründen und KDE ist mir wesentlich lieber als GNOME. Ich würde sogar eher noch Xfce oder LXQt als täglichen Begleiter wählen als dieses Monster an Bevormundung!

Aber was mich irritiert: Was genau stimmt denn mit der Datumsanzeige nicht? Es sieht doch genauso aus, wie du es eingestellt hast: ddd d. MMM yy - = Di. 11. Aug. 26 -

Zum hüpfenden Cursor: Systemeinstellungen -> Farben & Designs -> Mauszeiger -> Oben: "Startanzeige einrichten" -> Mauszeiger-Rückmeldung wählen wie gewünscht.