Zum Wochenende: Team - Toll, ein anderer machts

Fr, 18. Februar 2022, Lioh Möller

Dass die meisten Menschen ihrer eigenen Nase am nächsten sind, dürfte nicht überraschen. Altruistische Motive sind eher unüblich und versprechen keinen direkten persönlichen Gewinn, sondern tragen bestenfalls zu einer langfristigen Steigerung des Allgemeinwohls bei.

Im beruflichen Umfeld ist mir dieses Verhalten bereits häufig begegnet und da ich eher zu den Menschen gehören, die gerne und viel arbeiten, nutzen Kolleg:innen das oftmals dankend (oder eben nicht) aus.

Vor ähnlichen Herausforderungen stehen auch viele Freie Software Projekte. Man stolpert schnell über einen Tippfehler in der Dokumention oder ein kleineres Fehlverhalten im Code. Doch anstatt dies direkt zu korrigieren, wartet man lieber ab, ob jemand anderes es macht. So wichtig ist es ja nun auch nicht, und sowieso: 'works for me'.

Doch Qualität lässt sich mittelfristig nur steigern, wenn man eben genau diesen Moment wahrnimmt. Tatsächlich sind es meist nur wenige Minuten, die es zu investieren gilt, und die im Ergebnis den nächsten Anwender von vielen grauen Haaren bewahren.

Interessanterweise scheint der Weg zu einem Tweet, Kommentar oder ähnlichem, indem man sich darüber auslässt oder lustig macht, wie schlecht doch ein Freies Projekt sei, deutlich kürzer.

Natürlich kann man sagen, dass die entsprechenden Kenntnisse fehlen, um eine Korrektur vorzunehmen. Doch diese lassen sich ebenfalls zumeist schnell erlernen, wie zum Beispiel zur Erstellung eines Pull-Requests.

Und natürlich lesen die meisten Menschen solche Texte nicht gerne, denn sie können schnell als Vorwurf verstanden werden. Oder ist es wohl möglich eher schmerzhaft, weil dem Geschriebenen ein Funken Wahrheit innewohnt?

Abschliessen möchte ich diese Aussagen dennoch mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, denn wer schon einmal richtig im Team zusammengearbeitet hat, kennt das tolle Gefühl gemeinsam etwas erreicht zu haben.

Und als Beitragende zu Freier Software können wir gemeinsam tatsächlich die Welt ein kleines Stück besser machen.