Telegram erklärt seine Kanal-Werbung

Do, 11. Februar 2021, Ralf Hersel

Bisher wurde der Betrieb des Messengers Telegram weitgehend aus dem Privatvermögen der Durov Brüder finanziert, das sie mit dem Verkauf des russischen Social Networks VK im Jahr 2014 erzielten. Wie Pavel Durov im Dezember mitteilte, reicht das eigene Vermögen für den zukünftigen Ausbau der Plattform nicht mehr aus. Trotz der ausführlichen Erklärungen in seiner Dezember Mitteilung, gab es wohl Bedenken von Anwenderinnen, weshalb er heute erneut die Umsetzung der Werbung in Telegram erläutert.

Seine Mitteilung trägt den Titel: "Warum Benutzer sich keine Sorgen über Werbung auf Telegram machen sollten". Er reagiert damit auf einen Artikel, in dem Benutzer davor gewarnt wurden, von anderen Apps zu Telegram zu wechseln, weil "Telegram Werbung einführen wird". Dies sei aus mindestens 3 Gründen irreführend:

1. Es wird keine Werbung in Chats auf Telegram geben. Nutzer, die Telegram als Messaging-App und nicht als soziales Netzwerk nutzen, werden niemals Werbung sehen. Private Chats und Gruppenchats sind und werden immer werbefrei sein.

2. Benutzerdaten werden nicht für gezielte Werbung verwendet. Telegram glaubt, dass es unmoralisch ist, private Daten von Nutzern zu sammeln, um Werbung zu schalten, so wie es WhatsApp/Facebook tun. Man möchte sich am Ansatz von datenschutzbewussten Diensten wie DuckDuckGo orientieren: Dienste zu monetarisieren, ohne Informationen über Nutzer zu sammeln. Die Werbeanzeigen in One-to-Many-Kanälen sollen kontextbezogen sein - basierend auf dem Thema des Kanals, nicht zielgerichtet auf Basis irgendwelcher Nutzerdaten.  

3. In den meisten Märkten monetarisieren Content-Ersteller auf Telegram bereits ihre Inhalte, indem sie Werbebeiträge in ihren Kanälen verkaufen. Dies sei ein chaotischer Markt mit vielen Werbenetzwerken von Drittanbietern, die aufdringliche Werbung schalten, die ein negatives Nutzererlebnis erzeugt. Telegram möchte diese Situation beheben, indem sie eine datenschutzbewusste Alternative für Kanalbesitzer anbieten.

Man mag zum Messenger (oder besser gesagt zum Sozialen Netzwerk) Telegram aus verschiedener Hinsicht (Verschlüsselung, Privatsphäre, Firmenkonstrukt, Flucht vor staatlichen Regulierungen, usw.) kritisch eingestellt sein, was sinnvoll und angebracht ist. Bei Durovs heutigen Artikel geht es jedoch nur um das Geschäftsmodell, bzw. die Finanzierung des Dienstes. Die Leser und Leserinnen können sich selbst Gedanken darüber machen, wie eine solche Plattform moralisch korrekt finanziert werden soll.

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