Die vergangenen drei Wochen habe ich in Sizilien verbracht und bin dabei einmal rund um die Insel gereist. Dabei war ich auch für ein paar Tage in Palermo (Tipp: Fahrt bloss nicht mit dem Auto durch Palermo, es ist die Hölle). Dort haben wir an einem Anti-Mafia-Rundgang teilgenommen und auch das Anti-Mafia-Museum besucht.
Zur Cosa Nostra schreibt die Wikipedia:
Cosa Nostra (italienisch für „unsere Sache“), auch sizilianische Mafia, ist eine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Sizilien entstandene Verbrecherorganisation, die heute weltweit operiert und Verbindungen zu anderen mafiaähnlichen Gruppierungen hält. Sie gilt als bekanntester Zweig der italienischen Mafia, dessen Mitglieder sich als „uomini d’onore“ (Ehrenmänner) bezeichnen.
Der Zeitraum von 1993 bis heute, wird "stille Zeit" genannt, weil die Mafia nicht mehr durch Bombenanschläge und Tötungen auf offener Strasse aufgefallen ist. Der Grund dafür ist, dass die klassische Schutzgelderpressung nicht mehr so lukrativ ist und man von solchen Anschlägen Abstand genommen hat. Menschenhandel, Drogenschmuggel und Waffengeschäfte lohnen sich mehr und sind risikoärmer.
Obwohl die Zeiten stiller geworden sind, heisst das nicht, dass die Mafia ihren gesellschaftlichen Einfluss verloren hat. Sie ist ein Phänomen, welches die Gesellschaft durchdrungen hat. Es ist immer noch "unsere Sache". Sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder in der Gesellschaft. Beim Rundgang durften wir erfahren, dass sich nur wenige Läden einen Sticker ins Schaufenster kleben. Damit zeigen sie an, keine Schutzgelder zu bezahlen. Dahinter steckt eine Organisation, in der sich Einzelhändler verbündet haben, um der "Sache" die Stirn zu bieten. Auf meine Frage, was denn mit den anderen Läden sei, erhielt ich vom Führer des Rundgangs nur ein Schulterzucken. Die anderen Läden sind Teil der Sache oder verhalten sich neutral.
Während und nach dem Rundgang und des Museumsbesuchs, kreisten die Gedanken in meinem Kopf: Was ist denn "unsere Sache" im IT-Bereich? Die Antwort ist einfach: Es sind die BigTech-Firmen (GAFAM). Uiuiui, Ralf versucht, die Mafia mit Microsoft und Co. zu vergleichen! Ja, dieser Vergleich ist weit hergeholt, doch für eine Wochenend-Posse reicht er allemal.
Heute las ich einen Beitrag von Reto Vogt (DNIP: Vogt am Freitag - Pflicht) in dem er zu den Preiserhöhungen für Microsoft-Lizenzen schreibt. Reto versucht, die höheren Preise mit den KI-Funktionen zu begründen, die den Anwender:innen aufgezwungen werden, ob sie diese wollen, oder nicht. Jemand muss doch die Kosten für die ausufernden KI-Investitionen von BigTech bezahlen. Das ist eine rationale Erklärung, die ich für eine Ausrede halte.
Microsoft erhöht die Gebühren um ca. 30 %, weil sie es können, weil die Verwendung von Microsoft 365 "unsere Sache" ist.
Lieber IT-Leiter älteren Alters. Wir freuen uns, dass du seit vielen Jahren unsere Sache unterstützt. Microsoft 365 ist der Industriestandard, der an Schulen gelehrt und von allen Organisationen und Firmen weltweit eingesetzt wird.
Wer bei Microsoft kauft, wird nicht entlassen.
Die Anwender:innen in deiner Firma sind Teil unserer Sache. Sie vertrauen auf uns, weil sie nichts anderes kennen. Von Kind auf haben wir sie von unserer Sache überzeugt und sie zu Mitgliedern unserer Sache gemacht. Es wäre doch schade, wenn du deinen Job verlierst, weil sich deine Mitarbeitenden gegen dich auflehnen, oder dein Chef deine Alternativentscheidung als zu risikoreich für das Unternehmen betrachtet.
Wir sind Cosa Nostra, zusammen mit dir!
Wie lautet die Antwort auf die Eingangsfrage: "Sind BigTech-User Schutzgeldzahler?" Ich meine, sie sind es, weil viele ihr Geschäft abhängig gemacht haben und es ohne die Akzeptanz von beliebigen Preiserhöhungen nicht fortführen können. Das unterscheidet sich kaum von Schutzgeldzahlungen.
Ich wünsche euch ein kühles Wochenende.
Titelbild: https://pixabay.com/photos/man-actor-gangster-armed-danger-7291936/
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cosa_Nostra

Den Begriff G-MAFIA = "Google, Microsoft/Meta, Amazon, Facebook, Intel/IBM, Apple" - kann man sich mit Sicherheit leichter merken und kommt dem Thema des Artikels sehr viel näher.
Zur Posse taugt es allemal. Ein entscheidendes Merkmal unterscheidet jedoch Schutzgeld von Big-Tech-Abhängigkeit: Schutzgeld bietet überhaupt keine Leistung, sondern droht Schaden an. Aber auch die Mafia hat mit Dienstleistung begonnen: Deren Ursprung liegt im Bewachen von Landwirtschaftlichen Feldern, wofür sie von den Bauern bezahlt wurden. Da ist es nur ein Schritt hin zu: und wenn du nicht mehr zahlst, brenne ich selbst dein Feld ab.
In Software wäre das: Wenn du aussteigen willst, lösche ich deine Daten. Oder: kauf mein Anti-Viren-Programm, sonst verseuch ich deinen PC.
Ob das Thema Mafia sich als Posse eignet, ich weiss nicht. Aber auch unter dieser Prämisse, ich finde den Vergleich nicht so wirklich passend. Die Mafia setzt ihre Forderung doch und primär mit physischer Gewalt durch (Zerstören von Eigentum, Körperverletzung, Mord etc).
Microsoft kämpft sicher z.T. mit nicht sehr lauteren Methoden (z.B. Zwang, die Daten in die Cloud legen zu müssen). Die entsprechenden Lobbyisten sind allgegenwärtig. Unschön (bzw. noch viel mehr) ganz klar.
Aber der Unterschied zur Casa Nostra et al dürfte doch der sein, dass wenn ich keine Microsoft-Produkte kaufe, ich deswegen nicht das Haus "abgefakelt" kriege. Dagegen hat mir im südlichen Italien mal jemand echt gedroht, er würde mich finden (im engeren Sinne "auslöschen"), wenn ich "berichten" würde, was ich gesehen hatte.
Lasst uns einfach klar darauf hinweisen, dass sensitive(re) Daten grundsätzlich nicht in die Cloud sollten, und ganz sicher nicht in die MS-Cloud. Und selbst eine Preiserhöhung von 30%, auch da sehe ich den Bezug zur Mafia nicht. Natürlich kann der Lieferant umso eher den Preis diktieren, je höher die Abhängigkeit ist. Aber, die Schweizer Behörden, die Schweizer Wirtschaft wollte ja um jeden Preis Office365 haben. Jede/r wusste, was kommt. Jetzt nach der Weko zu rufen, das erscheint mir etwas naiv. Raus aus Office365, und gut ist.
Ich stimme dir da voll zu. Danke für den Artikel.