Die ersten Schritte in RISC OS

Di, 18. Mai 2021, Lioh Möller

In unserer Artikelserie zu RISC OS konntest du bisher kennenlernen, wie du den Emulator RPCEmu auf deinem Linux-Computer einrichtest und bereits einiges zur Geschichte des Betriebssystems erfahren.

Das Bedienkonzept von RISC OS

Im heutigen Teil geht es um das aussergewöhnliche Bedienkonzept von RISC OS.

Dabei ist das Reduced Instruction Set Computer Operating System in folgende drei Komponenten unterteilt:

  • core: stellt die Basis von RISC OS dar und enthält Anwendungen und Treiber welche zur Initialisierung des Betriebssystems notwendig sind.
  • cli: Das Command Line Interface ist eine textbasierte Eingabeaufforderung, in der Beispielsweise Scripte und Anwendungen programmiert und ausgeführt werden können.
  • desktop: Die grafische Benutzeroberfläche WIMP (Windows, Icons, Menus und ein Pointer) stellt eine der wichtigsten Komponenten von RISC OS dar und ist wohl der Bereich, den die meisten Anwender überwiegend verwenden.

Der Desktop ist dabei in zwei Bereiche unterteilt. Zum einen das sogenannte Pinboard und zum anderen die Icon Bar.

Das Pinboard

Vom Aufbau her mag diese Anordnung einem Betriebssystem wie Microsoft Windows oder auch einigen Linux Desktopumgebungen respektive Windowmanagern ähneln; das Verhalten entscheidet sich jedoch grundlegend.

Das Pinboard lässt sich, wie der Name vermuten lässt, mit einer Pinnwand vergleichen. Dort können Programmstarter oder minimierte Anwendungen abgelegt werden, allerdings in der aktuellen Version keine Dateien (für Pinboard2 ist eine solche Funktion geplant).

Die Icon Bar

Die Icon Bar enthält im linken Bereich Symbole für den Zugriff auf Laufwerke und Systemgeräte, Tools sowie einen Ordner Apps, welcher Verknüpfungen zu Applikationen enthält.

Am rechten Rand findet man Anwendungssymbole. Standardmässig wird dort ein Symbol zur Monitorkonfiguration (während der Laufzeit) und ein Symbol zum Aufruf des Taskmanagers angezeigt. Im Gegensatz zu anderen Betriebssystem starten die meisten Applikationen zunächst in ein Symbol in der Icon Bar. Das eigentliche Applikationsfenster lässt sich daraufhin durch einen Klick auf das Applikationssymbol öffnen.

Die 3-Tasten-Maus

Bei der Bedienung von WIMP spielt die Maus eine bedeutende Rolle. Dabei sollte es sich um eine 3-Tasten-Maus handeln, denn alle drei Maustasten kommen bei RISC OS zum Einsatz:

  • linke Maustaste: Select - dient der Auswahl oder dem Verschieben von Elementen. Dabei kommt oftmals ein einfacher Klick, zum Beispiel bei der Aktivierung von Anwendungen in der Icon Bar zum Einsatz. Auf dem Pinboard oder im Dateimanager ist dazu hingegen ein Doppelklick notwendig. Durch Klicken und Halten lassen sich Elemente kopieren oder verschieben (Drag & Drop)
  • mittlere Maustaste: Menu - die wohl wichtigste Taste in RISC OS mit der sich Auswahlmenüs öffnen lassen. Bei vielen Mäusen mit Scrollwheel, lässt sich diese durch einen Klick auf das Mausraud auslösen.
  • rechte Maustaste: Adjust - bietet Alternativen zu Select an. Aktiviert man beispielsweise einen Menüeintrag mit der rechten Maustaste, wird das Menü weiterhin angezeigt. Bei einer Aktivierung mit der linken Maustaste hingegen verschwindet das Menü nach dem Anklicken des Menüeintrags.

Um beispielsweise einen Link auf eine Applikation auf das Pinboard zu heften, kannst du mit der linken Maustaste das Apps Symbol in der Icon Bar öffnen und daraus ein Element per Drag & Drop ablegen.

Die Einstellungen des Pinboards werden dabei nicht automatisch gespeichert. Möchtest du, dass beim nächsten Systemstart das zuvor abgelegte Symbol weiterhin angezeigt wird, musst du dazu die Pinboard-Konfiguration sichern. Dazu klickst du mit der mittleren Maustaste auf einen beliebigen Bereich des Pinboards, um das Menü zu öffnen.

Untermenüs, welche im Menü mit einem Pfeil dargestellt werden, können durch ein darüberfahren mit der Maus eingeblendet werden. Ein direkter Klick auf einen solchen Eintrag würde die Standardaktion auslösen. Da wir die beim Systemstart automatisch geladene Pinboard-Konfiguration anpassen möchten, würde in diesem Falle ein Klick auf Save ausreichen. Das Öffnen des Untermenüs erlaubt die Angabe eines alternativen Speicherortes oder sichert ohne Änderung des Dateipfades/Namens bei einem Klick auf OK ebenfalls die Standardkonfiguration, welche sich unter !Boot.Choices.Boot.Tasks befindet.

Shutdown / Reboot

Um zu Prüfen, ob die Änderungen nach einem Systemstart erhalten bleiben, kannst du den Neustart mithilfe von Strg+Shift+F12 auslösen. Alternativ kannst du mit der Menu-Maustaste auf das Taskmanager-Symbol in der Icon Bar klicken und dort den Punkt Shutdown auswählen.

Die Fensterverwaltung

Eine weitere Besonderheit des Betriebssystems stell die Fensterverwaltung dar.

Der Knopf ganz links senkt das ausgewählte Fenster in den Hintergrund ab. Wieder in den Vordergrund bringen lässt sich ein Fester durch einen Klick in den mittleren Bereich des Fenstertitels oder alternativ durch einen Klick auf das Symbol zur Anpassung der Fenstergrösse in der unteren rechten Fensterecke.

Das X-Symbol rechts daneben schliesst das Fenster.

In der Mitte der Titelleiste wird im Dateimanager der Pfad und bei Applikationen der Titel des Programmes angezeigt. Die Farbe der Titel leise variiert je nachdem ob das Fenster aktiv ausgewählt wurde oder nicht. Mit gehaltener Select-Maustaste lässt sich das Fenster verschieben. Sofern man allerdings die Adjust-Maustaste nutzt, bleibt das Fenster an seiner bestehenden Position im Fenster-Stack und wird nicht in den Vordergrund geholt.

Der Punkt im rechten Bereich der Titelleiste erlaubt das Minimieren des Fensters auf das Pinboard. Diese Funktion steht nicht bei allen Fenstern zur Verfügung und lässt sich grundsätzlich in der Systemkonfiguration aktivieren. Dazu klickt man mit der mittleren Maustaste auf das Taskmanager-Symbol und wählt Configure. Alternativ klickt man im Dateimanager doppelt auf !Boot. Dort wählt man den Punkt Windows und setzt bei Bedarf den Haken bei Windows can have iconise buttons.

Das Symbol ganz rechts in der Titelleiste dient der Änderung der Fenstergrösse. Dabei schaltet die Funktion zwischen dem Wechsel auf die volle Grösse oder dem letzten bekannten nicht-maximierten Fensterzustand um.

Fenster haben grundsätzlich keine Menüleiste. Menüs sind über die mittlere Maustaste aufrufbar.

Ziehen und Ablegen

Drag & Drop stellt ein wesentliches Merkmal von RISC OS dar. Verdeutlichen möchten wir dies durch das Speichern einer Textdatei, ähnlich wie du es bereits mit der Pinboard-Konfiguration getan hast.

Öffne dazu im Ordner Apps die Applikation Edit. Sie startet als Symbol in den rechten Bereich der Icon Bar. Aktiviere das Hauptfenster durch einen Klick darauf und schreibe einen kurzen Text.

Parallel dazu öffne den Dateimanager und wähle einen Ordner, in dem du das Dokument speichern möchtest. Öffne daraufhin in Edit mit der mittleren Maustaste das Menü und fahre mit der Maus über den Punkt Save um das Untermenü einzublenden. Klicke in das Eingabefeld in dem TextFile steht und lösche den Inhalt. Das gesamte Textfeld kannst du mit Strg+U leeren. Vergebe einen für dich passenden Dateinamen, zum Beispiel MeinText.

Wenn du jetzt auf OK klickst passiert Folgendes:

Und das meint WIMP tatsächlich wörtlich. Du kannst das Symbol im Save as Menü per Drag & Drop in den Ordner ziehen, in dem die Datei abgespeichert werden soll.

Mittels Ziehen und Ablegen lassen sich auch Dateien mit Anwendungen öffnen und vieles mehr.

PS: Löschen lässt sich die Datei im Dateimanager übrigens durch einfaches anklicken und die Eingabe von Strg+K. Achtung! Bei RISC OS gibt es standardmässig keinen Papierkorb.

Damit hast du erst einmal das nötigste Rüstzeug erhalten um den Desktop nutzen zu können. Im nächsten Teil geht es um !Pling-Apps und mehr.