Fresh-Editor

  Ralf Hersel   Lesezeit: 3 Minuten  🗪 4 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Dieser TUI-Editor bringt frischen Wind. Wer Geschwindigkeit, hohe Funktionalität und einfache Bedienbarkeit schätzt, ist mit dem Fresh-Editor gut bedient.

fresh-editor

Editoren für das Terminal gibt es wie Sand am Meer. Beliebt sind VIM oder Emacs, Einsteiger landen oft bei Nano und die Weisen berufen sich auf Micro. Doch zuerst einmal muss man überhaupt auf die Idee kommen, einen Terminal-Editor zu verwenden, bieten sich doch die GUI-Editoren der Desktop-Umgebungen viel eher an. Und von diesen gibt es noch viel mehr. Wer gerne im Terminal arbeitet, wird einen CLI-Editor zu schätzen wissen. Alle, die lieber auf der grafischen Benutzeroberfläche unterwegs sind, könnten sich für einen CLI-Editor erwärmen, wenn es um einfache Bedienung und Geschwindigkeit geht.

Ein frischer Auftritt

Der Fresh-Editor füllt eine Lücke, indem er mit hoher Performance und einfacher Bedienbarkeit aufwartet. Ein Blick auf die Beschreibung des Entwicklerteams nennt diese Vorteile:

Intuitives Design
Fresh wurde für Entdeckungen entwickelt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Terminal-Editoren verwendet Fresh vertraute Tastenkombinationen, die so funktionieren, wie du es erwartest. Dank vollständiger Mausunterstützung, Menüs und einer Befehlspalette ist der Einstieg ganz einfach.

  • Standard-Tastenkombinationen (Strg+S, Strg+Z, Strg+F)
  • Vollständige Mausunterstützung mit Auswahlmöglichkeiten
  • Menüleiste und Befehlspalette
  • Integrierter Datei-Explorer und Terminal

Leistung ohne Latenz
Fresh wurde für Geschwindigkeit entwickelt. Text wird sofort angezeigt, während man tippt. Öffne und bearbeite Dateien mit mehreren Gigabyte, ohne ins Schwitzen zu kommen.

  • Geringe Eingabelatenz
  • Verarbeitet Dateien mit bis zu 10 GB+
  • Speichereffiziente Architektur
  • Sofortige Startzeit

Language Server Protocol
Die LSP-Unterstützung erweitert das Terminal um IDE-ähnliche Funktionen. Nutze die Funktionen „Zur Definition springen“, Echtzeit-Diagnose und Hover-Dokumentation.

  • Zur Definition/Referenzen springen
  • Inline-Diagnose und Schnellkorrekturen
  • Hover-Dokumentation
  • Weitere Funktionen folgen in Kürze

Erweiterbarkeit mit TypeScript
Erweitere Fresh ganz einfach mit modernen Tools. Plugins werden in TypeScript geschrieben und laufen sicher in einer sandboxed Umgebung, wodurch man Zugriff auf ein modernes JavaScript-Ökosystem erhält, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.

  • Manipuliere Buffer, Splits und Text
  • Starte Prozesse und greife auf das Dateisystem zu
  • Erstelle virtuelle Buffer und Overlays
  • Definiere benutzerdefinierte Tastaturbelegungen

Installation

Fresh ist in Rust geschrieben und steht unter der GPL-2.0 Lizenz. Das Handbuch gibt es hier. Da es sich um eine "frische" Entwicklung handelt, findet man den Editor bisher nicht in allen Repositories. Ich empfehle die Installation als Flatpak: herunterladen und dann:

flatpak install fresh-editor-0.1.55-x86_64.flatpak 

Danach kann Fresh im Terminal ( flatpak run io.github.sinelaw.fresh ) oder via Launcher-Icon gestartet werden. Und so sieht der Editor aus:

Was sehen wir?

  • Eine Dateiansicht
  • Beliebige Tabs
  • Ein TUI-Menü
  • Split-Fenster
  • Ein Terminal in einem Split-Fenster (unten)
  • Code-Einfärbung

Bedienung

Das ist ja alles gut und schön, überzeugt mich jedoch noch nicht, um als Ersatz für Micro oder Geany infrage zu kommen. Deshalb habe ich eine grosse Datei mit den drei Kandidaten getestet. Es ist zwar völliger Blödsinn, eine 1 GB grosse Datei bearbeiten zu wollen, aber hey!

  • Geany hat nach ca. 40 Sekunden Ladezeit mit dieser Meldung aufgegeben:



  • Bei Micro habe ich das Laden der Datei nach 2 Minuten erfolglos abgebrochen. Ich habe es noch einmal versucht: nach 15 Minuten hat Micro die Datei geladen; sie ist aber nicht editierbar.



  • Fresh reisst den Rechner in den Abgrund. Da hilft kein SysReq+REISUB, sondern nur ein Kaltstart.

Jaha, war eine blöde Idee, aber warum wirbt das Fresh-Projekt damit, 10 GB Dateien öffnen zu können, wenn der Editor beim Versuch, eine 1 GB Datei zu laden, den Rechner einfrieren lässt?

Was mir gefällt, ist die gute Bedienbarkeit. Durch die TUI-Menüführung findet man die gewünschten Befehle viel leichter als bei einer CLI-Anwendung, die nur auf Tastaturkürzel setzt. So ist es bei Fresh viel einfacher, Split-Windows einzurichten, als bei Micro. Man könnte den Fresh-Editor sogar als einfache IDE verwenden, wenn eine Symbol-Ansicht hinzugefügt würde. Vielleicht gibt es diese demnächst über eine TypeScript-Erweiterung.

Ich werde das Projekt beobachten und Fresh probeweise als Alternative zu Micro verwenden, um mir einen tieferen Eindruck zu verschaffen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Fresh mein neuer Lieblingseditor im Terminal wird.

Titelbild: Andreas Lawen, Fotandi - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=124102013 (bearbeitet)

Quelle: https://sinelaw.github.io/fresh/

Tags

Editor, TUI, Fresh

pommes
Geschrieben von pommes am 19. Dezember 2025 um 13:20

Vielen Dank für den Hinweis. Sieht interessant aus :-)

S0niX
Geschrieben von S0niX am 20. Dezember 2025 um 00:39

> "Fresh reisst den Rechner in den Abgrund. Da hilft kein SysReq+REISUB, sondern nur ein Kaltstart."

Ähm, mal beiseite gelassen, dass es beworben und nicht gehalten wird wird. Aber warum und besonders wie zum Teufel schafft es Fresh das System so derartig einfrieren zu lassen? Das sollte überhaupt nicht passieren dürfen, egal wie groß das file ist oder schlampig programmiert. Da liegt doch ein grundlegendes Problem des Systems ansich vor. Ein Linux System darf sich nicht so wegschießen lassen.

👓
Geschrieben von 👓 am 9. Januar 2026 um 09:52

Ja das habe ich mich auch schon öfters gefragt. Das wäre etwas bei dem Linux doch wirklich mal etwas machen und sich weiterentwickeln könnte.

Stachel
Geschrieben von Stachel am 20. Dezember 2025 um 12:16

Da fehlt eine wichtige Info: Wieviel RAM hat der PC? Kann ja nicht ausreichend viel sein, wenn alle drei Programme scheitern.