OsmAnd: Sternkarte

  Ralf Hersel   Lesezeit: 4 Minuten Auf Mastodon ansehen

Für die Android-App OsmAnd gibt es ein neues Plugin, das eine Sternkarte anzeigt. Die Erweiterung überrascht mit vielen und guten Funktionen.

osmand: sternkarte

Wir hatten es doch neulich von Karten-Apps auf dem Smartphone. Der Konsens war: OsmAnd für das "Team KDE" und CoMaps für das "Team GNOME". CoMaps macht das, was 95 % der Anwender:innen benötigen, während OsmAnd ein Optionenwunder ist. Nun ja, der Vergleich mit "Team KDE/GNOME" passt nicht ganz, weil ich als GNOME-Fanboy OsmAnd verwende, und zwar seit Ewigkeiten. Doch selbst nach jahrelangem Training, habe ich immer wieder Mühe, eine bestimmte Einstellung in der App zu finden.

OsmAnd so: Hold my beer!

Jetzt gibt es (in einer Beta-Version) das Plugin Astronomy für OsmAnd. Die Beschreibung sagt:

Das Astronomy-Plugin zeigt eine Himmelsüberlagerung mit Sternen, Sternbildern, der Sonne, dem Mond und Planeten direkt auf der Karte an. Es verwendet einen Offline-Himmelskatalog, um die aktuellen und zukünftigen Positionen von Himmelskörpern zu berechnen und anzuzeigen. Das Plugin ermöglicht es den Nutzern auch, den Nachthimmel zu erkunden, Objekte zu identifizieren und Beobachtungen zu planen, indem sie die Bahnen der Objekte am Himmel betrachten. Das Plugin funktioniert vollständig offline mit integrierten Sternkatalogen und ermöglicht die Himmelserkundung sogar ohne Internetverbindung.

Ich dachte, mein Schwein pfeift! Warum zum Teufel möchte man eine Sternkarte in einer Karten-App haben? Dafür gibt es doch Stellarium. Ja, gibt es, und es ist Open Source, aber bei F-Droid sucht ihr vergebens danach.

Die Sternkarte in OsmAnd gibt es, weil es geht! Also habe ich das Plugin ausprobiert. Dazu geht man im Hauptmenü von OsmAnd auf den Punkt Erweiterungen und aktiviert dort das Plugin Astronomie (Beta). Daraufhin erscheint im Hauptmenü der neue Eintrag Sternkarte.

Dafür, dass Astronomy ein Plugin im Beta-Status ist, ist der Funktionsumfang gigantisch und muss den Vergleich mit dedizierten Apps (Stellarium) nicht scheuen. Aufgrund der Fülle, zähle ich die Funktionen nur grob auf:

  • Zeit- und Datumsauswahl
  • Auswahl der sichtbaren Elemente (Sonnensystem, Sternbilder, Sterne, Nebel, Sternhaufen, Deep Sky)
  • Kartenansicht (2D/3D, Landkarte und Sterne parallel anzeigen, Rotfilter, Magnitudenfilter)
  • Suche nach Himmelskörpern durch Antippen oder Texteingabe
  • Detailinformationen zu den Himmelskörpern inkl: Aufgang, Untergang, Azimut, Höhe, Magnitude (Helligkeit)
  • Wikipedia-Anbindung
  • Favoritenliste, Zentrieren eines Objekts auf der Karte, Richtung zum Objekt, Trajektorie (Himmelsbahn)
  • Sichtbarkeitsdiagramm (zeigt, wie sich das ausgewählte Objekt während eines 24-Stunden-Zeitraums am Himmel bewegt)
  • Beobachtungsplan für die aktuelle Woche
  • Augmented Reality (siehe rechts im Screenshot)
  • Persönliche Anzeigeoptionen (Richtungsindikator, Tagesbahn, Hervorheben der Favoriten)
  • Rendering-Hilfen (Azimutgitter, Meridianlinie, Äquatorialgitter, Ekliptiklinie, Äquatorlinie, Galaktische Linie)
  • Sonnen-/Mond-Finsternis-Explorer

Eine genaue Beschreibung der vielen Funktionen findet ihr hier. Besonders beeindruckt hat mich die Augmented Reality-Funktion. Diese möchte ich in drei Schritten erklären.

Von links nach rechts. Hat man die Sternkarte eingeschaltet, kann mit einem Klick links oben der AR-Modus eingeschaltet werden. Daraufhin folgt die Karte der Bewegung des Handys. Wer die Karte mit dem tatsächlichen Himmel abgleichen möchte, klickt auf das Kamerasymbol. Damit wird das Kamerabild als Hintergrund eingeblendet. Über einen Schieberegler lässt sich die Transparenz anpassen.

Der Use Case sieht so aus: "Guck mal Schatz, ein Stern am Himmel. Ist das die Venus?" Im AR-Kameramodus kann man das Handy auf den unbekannten Stern ausrichten, um auf der Sternkarte nachzusehen, worum es sich handelt. Mit einem Klick auf diesen Stern, bekommt man die gewünschten Detailinformationen angezeigt.

So weit die Theorie. Beim Praxistest habe ich das Handy im AR-Modus auf den Mond ausgerichtet. Doch es gab eine erhebliche Abweichung zwischen dem tatsächlichen und dem Mond auf der Sternkarte. Mit der GPS-Genauigkeit hatte das nichts zu tun, weil meine Koordinaten auf der normalen Landkarte optimal erkannt wurden (Abweichung im Bereich einiger Meter). Zu Vergleichszwecken habe ich die de-facto-App Stellarium installiert. Die meckerte, dass mein Kompass zu ungenau sei.

Kompass kalibrieren

Stellarium sagt einem, wie man den Kompass kalibriert. Man hält sich das Smartphone vor die Nase und führt aus dem Handgelenk eine achtförmige Bewegung aus. Nach kurzer Zeit war Stellarium mit dem Kompass zufrieden. Ich war überrascht, dass es in den Systemeinstellungen keine Option gibt, mit der man die Kompasskalibrierung anstossen kann; die Community meinte, das sei so. Dann musste ich warten, bis der Himmel dunkel genug war, um Sterne sehen zu können.

Stunden vergehen, bis der Mond kurz vor Mitternacht hinter dem Nachbarhaus auftaucht.

Links seht ihr OsmAnd mit dem Astronomie-Plugin im AR-Modus. Trotz der Kompasskalibrierung und optimaler Standortdaten, liegt der virtuelle Mond nicht genau auf dem realen Mond. Die Kamera im AR-Modus interessiert sich nicht für die Einstellungen der Kamera-App auf dem Handy. Rechts seht ihr eine Aufnahme mit der Kamera-App im Nachtmodus. Dort ist der Mond deutlich zu erkennen. Auf dem linken Foto kann man den Mond nur in der hellen Wolke erahnen.

Wir reden hier vom Mond, einem strahlend hellen und eindeutig identifizierbaren Objekt am Nachthimmel. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Ortung eines leuchtschwächeren Objekts ungleich schwieriger ist, wenn die Karte nicht exakt mit der Realität übereinstimmt.

Fazit

Zwar ist Astronomy 'nur' ein Plugin für OsmAnd, es könnte aber auch als eigenständige App durchgehen. Der Funktionsumfang ist gross und die Funktionen laufen einwandfrei, obwohl es Beta-Software ist. Selbst für Hobbyastronomen bietet das Plugin viel.

Wer einen Blick auf die Plugin-Seite von OsmAnd wirft, findet dort knapp 20 Erweiterungen für die Kartenanwendung. Es würde mich nicht wundern, wenn dort demnächst ein E-Mail-Client auftaucht.

Titelbild: https://pixabay.com/illustrations/sun-planets-solar-system-space-1506019/ (modifiziert)

Quelle: https://osmand.net/de/docs/user/plugins/astronomy/

Tags

OsmAnd, Sterne, Astronomie, Karte

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