Over the Edge

Mo, 20. Dezember 2021, Lioh Möller

Bereits in der Vergangenheit ist Microsoft immer wieder dadurch negativ aufgefallen, den hauseigenen Webbrowser zu bevorzugen, was im Jahre 2009 in einem Antitrust-Verfahren der EU gipfele. Daraus resultierend wurde der Hersteller gezwungen für einen Zeitraum von 5 Jahren die Auswahl unterschiedlicher Webbrowser zu erleichtern und Alternativen aufzuzeigen. In den darauf folgenden Jahren wurde eine Webseite namens BrowserChoice.eu angeboten, welche eine Vielzahl von Browsern auflistete. Nach Ablauf der Frist wurde diese allerdings unmittelbar abgeschaltet.

Seither hat sich die Lage deutlich verschärft. Microsoft bietet mit Edge einen technisch modernisierten Browser auf Chromium Basis an und versucht weiterhin Nutzer an sich zu binden.

So bekommen interessierte Anwender, welche beispielsweise in Bing nach Firefox suchen, einen prominenten Hinweis zu sehen, der daran erinnern soll, dass ein Wechsel nicht nötig sein würde:

Darüber hinaus werden einige Links in der Form microsoft-edge://, auch wenn ein alternativer Browser unter dem Windows Betriebssystem genutzt wird, in jedem Falle mit dem Edge Browser geöffnet.

Als Lösung kam unter anderem bei Firefox eine Applikation namens EdgeDeflector zum Einsatz, mit deren Hilfe sich die Einschränkungen auf einfache Weise umgehen liessen.

Doch damit ist seit einer kürzlich veröffentlichten Systemaktualisierung nun auch Schluss. Findige Entwickler haben allerdings mit MSEdgeRedicret bereits ein neues Verfahren entwickeln können, um die Einschränkungen zu umgehen. Dazu muss ein Dienst im Hintergrund betrieben werden, was bei EdgeDeflector nicht der Fall gewesen ist. Ausserdem wird die Software aktuell vom Microsofts SmartScreen-Filter als schädlich eingestuft.

Das aktuelle Verhalten von Microsoft kann als wettbewerbsschädlich eingestuft werden, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen werden. Erfahrungsgemäss mahlen die Mühlen der Politik allerdings langsam, was dem Hersteller letztendlich zugutekommt. Dabei geht es mit aller Wahrscheinlichkeit weniger um eine Ausbreitung des Marktanteils als eher um eine weitere Möglichkeit der Datensammlung, beispielsweise durch sogenannte Telemetrie. So lässt sich ein nahezu vollständiges Persönlichkeitsprofil eines jeden Anwenders erstellen.

Nachtrag (Denys): Seit Windows 11 wurde unter anderem auch die Möglichkeit eingeschränkt, einen Standardbrowser zu setzen. So muss jetzt jedem einzelnen Dateityp und Protokoll der richtige Browser zugeordnet werden. Wie als erstes von The Verge berichtet wurde, kam seit Firefox 91 ein Mechanismus zum Einsatz, der trotz der neuen Einstellungen das Setzen des Standardbrowsers per Knopfdruck ermöglichte. Doch seit dem neusten Systemupdate ist auch hiermit Schluss.