Ein E-Reader kann mehr als lesen. Sein Browser reicht für Schach, Go oder Sudoku – wenn die Oberfläche für E-Ink gebaut ist und ohne Netz auskommt. PaperGames ist der Versuch, genau das zu bauen: 46 klassische Spiele, MIT-lizenziert, ohne Framework und ohne Build-Schritt.
Wie das Projekt entstanden ist
Ich lese auf meinem Tolino Vision 6 gerne in der Sauna. Letztes Jahr wollte ich dort auch einmal eine Partie Schach spielen. Was ich gefunden habe, war entweder eine App mit Konto und Werbung oder eine Weboberfläche, die auf E-Ink unbrauchbar ist. Also habe ich selbst angefangen. Zuerst nur Schach. Aus dem einen Spiel sind inzwischen 46 geworden: 24 Strategiespiele, 16 Knobelspiele und 6 Lauf- und Würfelspiele.
Startseite
Warum E-Ink alles verändert
E-Ink-Displays können fast nichts von dem, was moderne Weboberflächen ausmacht. Es gibt keine flüssigen Animationen, keine Übergänge, kein sinnvolles Hover, und das Display zeichnet lieber große Flächen neu als viele kleine Bereiche. Dazu kommen Browser, die auf diesen Geräten mehrere Jahre alt sind.
Daraus folgt fast die gesamte Gestaltung:
- Jedes Brett ist statisch aufgebaut. Ein Zug ändert nur die Felder, die sich tatsächlich geändert haben.
- Es gibt harte Schwarz-Weiß-Kontraste statt Graustufenverläufen.
- Trefferflächen sind groß, weil Touch auf E-Ink träge ist.
- Es gibt keine Animationen. Wo andere Umsetzungen Bewegung einsetzen, etwa beim Verteilen der Steine bei Mancala oder beim Würfeln im Backgammon, zeigt PaperGames das Ergebnis direkt an.
Ein Beispiel dafür, wie konkret diese Grenzen werden: Bei Ludo ließen sich die vier Spielfarben auf einem monochromen Display überhaupt nicht unterscheiden, weil sie alle zum selben Grauton werden. Die Figuren mussten also über Form und Füllung unterscheidbar werden, nicht über Farbe.
Schach
Technik
Reines HTML, CSS und JavaScript. Kein Framework, kein Build-Schritt, keine Abhängigkeiten, kein Backend. Insgesamt rund 64.700 Zeilen JavaScript und etwa 13.900 Zeilen HTML auf 159 Seiten, zusammen knapp 7 MB.
Das ist 2026 eine bewusste Entscheidung. Die Browser auf E-Ink-Geräten sind alt und langsam, und jede Abhängigkeit ist ein zusätzliches Risiko. Statische Dateien ohne Build laufen überall, auch in fünf Jahren noch.
Ein Service Worker legt die App-Shell ab, damit besuchte Spiele ohne Netz weiterfunktionieren. Gecacht werden ausschließlich Dateien der eigenen Domain. Spielstand, Einstellungen und Statistik liegen im localStorage des Browsers.
Es gibt 46 Regel-Engines, eine pro Spiel, und 28 eigene KI-Gegner. Keine gemeinsame Fremdengine. Schach hat am längsten gedauert; die erste Fassung brauchte für einen Zug teilweise mehr als 20 Sekunden.
Datenschutz
Keine Werbung, kein Tracking, keine Cookies, kein Konto, keine externen Anfragen. Es gibt genau eine Ausnahme, und die ist eine bewusste Opt-in-Kante: Wer Schach online gegen echte Gegner spielen will, kann sein Lichess-Konto per OAuth verbinden. Diese Aufrufe gehen immer direkt ins Netz und werden nie zwischengespeichert. Wer das nicht will, spielt lokal zu zweit oder gegen die eingebaute KI. Genau dafür gibt es die KI-Gegner überhaupt. PaperGames steht in keiner Verbindung zu Lichess.
Lizenz
Der Quellcode (mit KI-Unterstützung entstanden) steht unter der MIT-Lizenz. Ein paar Grafiken sind Fremdwerke und stehen unter ihren eigenen Lizenzen, unter anderem der Schachfiguren-Satz "cburnett" von Colin M.L. Burnett unter BSD sowie Xiangqi- und Shogi-Figuren unter CC BY 4.0. Diese Assets sind einzeln in NOTICE und im README aufgeführt und ausdrücklich nicht vom MIT-Grant gedeckt. Dieselbe Aufstellung sehen auch die Nutzerinnen und Nutzer auf der Info-Seite.
Zu jedem Spiel Regeln und Geschichte
Jedes Spiel hat eine Regelseite und eine Seite zur Entstehungsgeschichte. Die Regelseite nennt ausdrücklich die umgesetzte Variante, weil es bei vielen dieser Spiele keine einzige gültige Fassung gibt. Hnefatafl läuft als Brandub auf 7x7, Tablut steht als eigenes Spiel auf 9x9 daneben, Mancala ist die Kalah-Form mit sechs Mulden und vier Steinen.
Alle Spiele
Bei Senet steht offen auf der Regelseite, dass die Originalregeln verloren sind und das Umgesetzte eine Rekonstruktion ist, also eine Auslegung und nicht die definitive Fassung. Mir ist wichtiger, diese Unsicherheit zu benennen, als Eindeutigkeit vorzutäuschen.
Mitmachen
Das Projekt liegt auf GitHub unter MIT-Lizenz. Wer ein Spiel vermisst, kann mir gerne eine Mail mit Wünschen schreiben. Besonders hilfreich sind Rückmeldungen von anderen Geräten: Ich habe selbst nur ein einziges E-Ink-Modell zum Testen.
Kontakt: yourchaos@gmail.com
Quellen:
Projektseite: https://yourchaoschris.github.io/PaperGames/
Quellcode und Lizenzangaben: https://github.com/YourChaosChris/PaperGames
Lichess (für den optionalen Online-Modus): https://lichess.org
Screenshots: eigene Aufnahmen vom Tolino Vision 6



Hoi Christopher. Danke für den Artikel. Könntest du die Links am Ende des Artikels bitte noch als solche markieren, sodass sie klickbar sind?