Was Freie Software auszeichnet

Mo, 15. November 2021, Lioh Möller

Heute hatten wir in unserer Talk-Gruppe eine interessante Diskussion über neue Technologien wie beispielsweise Wayland (was nun auch nicht mehr ganz so neu ist). Dabei ging es primär um die Vorteile der Architektur hinsichtlich der Sicherheit, welche auf der Hand liegen, hier allerdings nicht weiter ausgeführt werden. Dabei gilt die Annahme, dass Applikationen grundsätzlich potenziell böse sind und der Anwender dies entweder nicht mitbekommt, oder aufgrund seines fehlenden Wissens nicht in der Lage ist, dies zu bemerken.

Entwicklungen wie diese stammen primär aus der Mobilfunkwelt, denn dort sind eine Vielzahl von sicherheitskritischen Apps im Umlauf und Sandboxing hilft dabei diese zu isolieren.

Doch die dazugewonnene Sicherheit bringt auch eine eingeschränkte Zugreifbarkeit mit sich. Dienste sind plötzlich nicht mehr ohne weiteres nutzbar oder Anwendungen lassen sich nicht mehr mit Root-Rechten ausführen.

Für einen Anwender, der keine Modifikationen am System vornehmen will, stellt dies oftmals keine unmittelbaren Nachteile dar. Diese wählen allerdings zumeist auch nicht Linux als Betriebssystem.

Was das in die Jahre gekommene Xorg betrifft, so sagte Marus J. Ranum einmal:

If the designers of X-Windows built cars, there would be no fewer than five steering wheels hidden about the cockpit, none of which followed the same principles – but you'd be able to shift gears with your car stereo. Useful feature, that

Diesen Hinweis meinte er als Sicherheitsexperte natürlich ironisch, doch tatsächlich stellt genau dies eine der herausragenden Eigenschaften von Freier Software dar.

Damit soll gar keine Lanze gebrochen werden für Xorg, denn Wayland ist tatsächlich eine innovative Zukunftstechnologie. Wichtig ist allerdings die ursprünglichen Stärken von Linux, namentlich die einfache Zugänglichkeit und die Möglichkeit, mit wenig Aufwand Dinge zu nutzen und zu verändern, nicht zu vergessen.

Projekte wie Wayland neigen dazu alles Bisherige als unbrauchbar darzustellen und anstatt vorhandene Lösungen wie Xorg zu verbessern, etwas Eigenes auf der grünen Wiese zu beginnen.

Dazu ein Zitat von Wikipedia:

Høgsberg could have added an extension to X as many recent projects have done, but preferred to "[push] X out of the hotpath between clients and the hardware"

Das hat Vorteile für den Entwickler, dabei wird aber oft ausser Acht gelassen, dass auch Xorg durchaus Stärken hat, in den zuvor geschilderten Bereichen.

Was übrig bleibt ist meist verbrannte Erde und es besteht die Gefahr, dass Linux sich zu einem 0-8-15 Betriebssystem ohne Werte entwickelt. Damit wäre es austauschbar und die eigentlichen Stärken würden mittelfristig in Vergessenheit geraten.

Bildquelle: Wasteland von Budhiargomiko - Lizenz CC-BY-SA 4.0