Meinungsfreiheit am Beckenrand – und im Fediverse?

  Lars Müller   Lesezeit: 3 Minuten  🗪 29 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Im Fediverse wird Meinungsvielfalt oft durch politischen Gleichklang ersetzt. Ein Freibad zeigt, wie echter Respekt auch bei Unterschieden möglich ist.

meinungsfreiheit am beckenrand – und im fediverse?

Im Freibad bin ich einiges gewohnt: Familien mit Picknickdecken, Teenies mit Bluetooth-Box, Rentner, die morgens und abends ihre Bahnen ziehen, und Kinder, die mit Anlauf vom Beckenrand hüpfen – obwohl sie’s nicht dürfen. 😄

Was ich dabei in den 20 Jahren, in denen ich diesen Beruf ausübe, gelernt habe: Hier kommen alle zusammen. Egal, wie sie ticken, was sie denken, welcher Kultur sie angehören oder wie sie reden. Und genau das macht ein Freibad aus – es ist für alle da. Es gibt klare Regeln für Sicherheit und Respekt, aber keine Vorschrift, wie man politisch drauf sein muss.

Seit 4 Jahren bin ich im Fediverse (also Plattformen wie Mastodon, Sharkey & Co.) aktiv. Zuerst aus dem Wunsch heraus, Teil eines Netzwerks zu sein, das ohne die großen Konzerne auskommt. Primär habe ich mir aber mehr Kommunikation mit anderen gewünscht, als das beispielsweise bei Facebook der Fall war. X bzw. Twitter hatte ich nie genutzt. Der Hintergedanke war: Ideen und Gedanken teilen, nette Menschen kennenlernen. Hier kommt die ungefilterte Timeline – ganz ohne Algorithmen. Finden könnt ihr mich unter dem Handle https://fedihub.space/@lars

Der politische Wandel im Fediverse

Aber – und das muss ich einfach mal loswerden – mir fällt auf, dass im Fediverse zunehmend der Eindruck entsteht, eine bestimmte Meinung sei die einzig richtige. In der Anfangszeit, als das Netzwerk noch klein war, ging es vor allem darum, neue Menschen zu erreichen und einen offenen Austausch zu fördern. Heute dominiert – so mein Eindruck – eine überwiegend linkspolitische Haltung. Das ist per se nicht schlimm. Ich selbst bin keiner, der „gegen alles“ ist oder sich rechts verortet.

Ich sehe mich irgendwo in der Mitte. Weder rechts, noch links – einfach interessiert an fairen Diskussionen. Aber wenn Menschen mit gemäßigteren oder konservativeren Ansichten plötzlich belehrt, ausgegrenzt oder direkt blockiert werden, wird es problematisch.

Denn oft wird Meinungsfreiheit zwar eingefordert – aber nicht wirklich gelebt, sobald es um andere Perspektiven geht. Das merke ich auch bei scheinbar banalen Themen: Stell jemandem im Fediverse eine Frage zu Windows 11, oder sag, dass du ein iPhone nutzt – und du wirst nicht selten direkt zurechtgewiesen oder „aufgeklärt“. 

Als Schwimmmeister bin ich wie der Admin einer Fediverse Instanz. Ich bin der Admin der Freibades und ich bestimme die Regeln. Diesen muss man am Eingang zustimmen, wenn nicht kann man wieder nach Hause gehen. 

Mein Job als Schwimmmeister ist ganz klar:

  • Ich halte die Regeln im Blick (für alle gleich)
  • Ich greife ein, wenn jemand andere stört oder gefährdet
  • Und ich sorge dafür, dass alle wieder heil aus dem Wasser rauskommen – egal, wie sie ticken.
  • kümmere mich um die Technik das alles läuft
  • schaue das alle anderen Rahmenbedingungen passen, damit sich jeder wohl fühlt

Warum klappt das im Freibad – aber im Fediverse nicht?

Vielleicht, weil wir online zu schnell vergessen, dass hinter jedem Account ein echter Mensch sitzt. Jemand, der auch mal danebenliegt. Oder anders denkt. Oder einfach mal still mitliest, ohne gleich zu diskutieren.

Ich finde: Das Fediverse hat das Potenzial, ein echter digitaler Marktplatz der Ideen zu sein – frei, offen, unabhängig. Aber dazu gehört auch, dass alle Meinungen Platz haben, nicht nur die, die gerade im Trend liegen. Ich erinnere mich an Beispiele wie Diskussionen über Messenger, „das richtige Betriebssystem“ oder die Vorstellung, dass Mastodon gleichzusetzen sei mit dem gesamten Fediverse.

Das mag für Nerds interessant sein – aber nicht für den Otto-Normal-Nutzer.

Natürlich gibt’s Grenzen: Hass, Hetze, Diskriminierung – das geht gar nicht. Aber unterschiedliche Sichtweisen aushalten? Das gehört zu einer gesunden Plattformkultur dazu. Genauso wie im Freibad mal jemand laut ist, während ein anderer seine Ruhe will. Man findet Kompromisse. Man redet. Man lässt sich leben.

Vielleicht braucht das Fediverse einfach ein bisschen mehr Bademeister-Energie: Weniger erhobene Zeigefinger, mehr Überblick. Weniger Umerziehung, mehr Raum für Vielfalt.

Denn echte Freiheit heißt eben auch, dass du aushältst, wenn jemand anders denkt – ohne ihn gleich zu blockieren oder zurechtzuweisen.

Text: eigene Gedanken 

Artikel Bild: ChatGPT

Tags

Fediverse, meinungsfreiheit, Toleranz, Diskussionskultur

Fred vom Jupiter
Geschrieben von Fred vom Jupiter am 8. August 2025 um 18:28

Du sprichst mir total aus der Seele. Es ist wirklich sehr traurig zu sehen wie bestimmte Meinungen richtig sind und "bevorzugt" werden, während anderer, davon abweichendender, Meinungen gefiltert, zensiert oder gar vollkommen unterdrückt werden.

Meiner Wahrnehmung nach betrifft das inzwischen eine riesige Menge Ansichten, die nicht links oder (linker) Mainstream ist. Viele haben schon die Erfahrung von linken Shitstorms, persönlicher Diffamierung (durch Linke), bis hin zu echten Gewaltandrohungen durch die Antifa gemacht. Oft nur, weil man einfach anderer Meinung ist und diese aber vom aktuellen (linken) Narrativ abweicht. Ganz besonders erschreckt dabei, dass die allermeisten Linken offenbar vollkommen unfähig sind ihr eigenes - unzweifelhaft selbst faschistoides - Verhalten zu erkennen. Dinge, die angeblich als Hass, Hetze oder "rechts" erkannt wurden, werden sofort und OHNE Diskussion mit ALLEN Mitteln im wahrsten Sinn des Wortes "bekämpft".

Viele trauen sich wegen dem "Meinungsterror" einer Linken Minderheit nicht mehr bestimmte Dinge an- bzw. auszusprechen, also offen ihre Meinung zu sagen. Das gilt nicht nur fürs Fediverse sondern insgesamt für die Meinungskultur in unserer "freien" Gesellschaft. All das führt uns meiner Meinung nach überhaupt nicht weiter, im Gegenteil immer weiter in die Sackgasse, bis es vermutlich zwangsläufig irgendwann platzen tut!

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 9. August 2025 um 08:16

Genau aus diesem Grund musste ich mir Luft machen.

“ Viele trauen sich wegen dem "Meinungsterror" einer Linken Minderheit nicht mehr bestimmte Dinge an- bzw. auszusprechen, also offen ihre Meinung zu sagen. Das gilt nicht nur fürs Fediverse sondern insgesamt für die Meinungskultur in unserer "freien" Gesellschaft. All das führt uns meiner Meinung nach überhaupt nicht weiter, im Gegenteil immer weiter in die Sackgasse, bis es vermutlich zwangsläufig irgendwann platzen tut!”

Wenn das so weiter geht, trauen sich immer weniger ihre wirkliche Meinung kund zu tun und schwimmen lieber mit dem Strom.

Uwe
Geschrieben von Uwe am 10. August 2025 um 17:39

Genau aus diesem Gründen meide ich konsequent jede "Sozial-Media-Aktivität" und habe nirgendwo ein "Konto" ! Bin in der DDR geboren und aufgewachsen!

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 02:45

Komplett möchte ich das nicht meiden. Bin aber wieder weniger aktiv Fediverse, dafür aber bei einem anderen grossen Netzwerk.

Kai
Geschrieben von Kai am 9. August 2025 um 12:45

Alle reden immer vom FREIEN Fediverse, einer freien demokratischen Gesellschaft, während gleichzeitig von einer politischen Ideologie betrieben all unsere Kommunikation analysiert, bewertet, gestört und notfalls unterbunden wird. Der Tenor "Keine Plattform bieten" der von linken im Fediverse ... und gesamtgesellschaftlich ... betrieben wird ist in Wahrheit nichts anderes als ein Diskussionsverhinderer, der den Austausch von verschiedenartigen Gedanken, Meinungen, Argumenten in bestimmten Themengebieten unmöglich macht. Viele Menschen empfinden diese Art der "political correctness" als grobe Einschränkung von Vielfalt bei der Meinungsbildung und Meinungsunterdrückung. Das wirklich Absurde daran ist, das die sonst überall so vielbeschworende Vielfalt, ausgerechnet hier wo es wirklich wichtig ist, nicht existiert! Eine Unterdrückung von Diskursen behindert die Entwicklung neuer Gedanken auf allen Seiten und löst keinerlei Probleme, bringt keine neuen Erkenntnissen und führt uns zu keinerlei Fortschritt. Eine andere Debattenkultur ist dringend notwendig!

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 02:43

Da stimme ich dir in teilen zu. > Der Tenor "Keine Plattform bieten" der von linken im Fediverse ... und gesamtgesellschaftlich ... betrieben wird ist in Wahrheit nichts anderes als ein Diskussionsverhinderer

„Keine Platform bieten“ hatte am Anfang mehr auf die blaue Partei bezogen, wird aber auch in vielen anderen Situationen genutzt und der Diskurs komplett blockiert.

Hier herrscht aktuell die Einstellungen - du bist nicht meiner Meinung also wirst du blockiert. Das zerstört eigentlich das Ziel eines sozialen Netzwerkes.

Mir ist auch aufgefallen das diverse Instanzen andere Instanzen random aus dem gleichen Grund komplett blockieren.

Jens
Geschrieben von Jens am 8. August 2025 um 21:30

Ich hätte jetzt eine rege Diskussion zu deinem Artikel erwartet. Nun ja, mir gefällt er jedenfalls. 🙂

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 9. August 2025 um 08:11

Ich hatte auch mit mehr gerechnet. Selbst im Fediverse wurde nicht soviel drüber diskutiert.

Max
Geschrieben von Max am 9. August 2025 um 10:12

Vielleicht hat der Artikel bei dem ein oder anderen ja einen Nachdenkprozess ausgelöst :)

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 02:45

Wäre zu hoffen

Folker
Geschrieben von Folker am 9. August 2025 um 10:15

Vielen Dank für diesen mutigen und differenzierten Kommentar, Lars! Das, was du für Mastodon ausgeführt hast, kann man direkt auf unsere gesamte Gesellschaft und die strafrechtlichen Regeln unseres Zusammenlebens übertragen. Da ist leider (in Deutschland) eine parallele Entwicklung zu beobachten. Auch ich habe bis vor einigen Monaten überhaupt keine Sozialen Medien genutzt – weder aktiv noch passiv –, habe mir dann aber doch einen Mastodon-Account eingerichtet, auch um GNU/Linux.ch dort zu folgen. Wenn ich aber in „Angesagte Beiträge“ schaue, sehe ich leider fast nur Beiträge, die ich als (linke) Hass-Posts einstufen würde. Bestimmt gibt es auf anderen Plattformen viel krassere Sachen auch aus anderen politischen Richtungen. Aber mir reicht das schon, sodass ich überhaupt keine Lust verspüre, auf irgendeine Weise in Interaktion zu treten.

Wenn es nur um Meinungsdominanz ginge, zugleich aber Widerspruch oder andere Ansichten möglich wären, könnte ich noch damit leben. Wenn aber unterschiedliche Regeln und Maßstäbe für die eine oder die andere politische oder gesellschaftliche Vorstellung gelten, haben wir nicht mehr den „Markt der Ideen“, der für eine liberale und deliberative Demokratie konstitutiv ist, sondern Autoritarismus und Zensur.

Ich habe wenig Hoffnung, dass ein Umdenken in Sachen gelebter Meinungsfreiheit „von oben“, also von politischer Ebene kommen wird. Vielleicht müssen zuerst im Kleinen wieder Räume für faire Diksussionen ohne Ausgrenzung, aber mit Respekt und Ambiguitätstoleranz, entstehen. Böte das Fediverse denn nicht zumindest technisch gesehen dafür eine große Chance? Gibt es womöglich schon solche Räume?

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 03:00

Hallo danke für den Kommentar.

Wenn es nur um Meinungsdominanz ginge, zugleich aber Widerspruch oder andere Ansichten möglich wären, könnte ich noch damit leben. Wenn aber unterschiedliche Regeln und Maßstäbe für die eine oder die andere politische oder gesellschaftliche Vorstellung gelten, haben wir nicht mehr den „Markt der Ideen“, der für eine liberale und deliberative Demokratie konstitutiv ist, sondern Autoritarismus und Zensur.

Das ist vielleicht ein deutsches Problem das Diskussionen und Widerspruch nicht gut ankommen. Vielleicht liegt es auch an der Generation der Nutzer die Gegenwind einfach nicht mehr gewohnt sind, keine Ahnung.

thomy46
Geschrieben von thomy46 am 9. August 2025 um 12:12

Was bedeutet in Deinem Artikel Nerd ? Bin ich ein Nerd ?
Bin ich Links oder Rechts ? Ich bin ein NchtMitSchwimmer , aber ich habe das Lebensretterbrevet .

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 03:06

Ein Nerd ist für mich eine Person die sich stark für eine Sache interessiert und dafür brennt.

In meinem Artikel ging es dabei um die haarschen Diskussionen welche Messenger, oder welches Betriebssystem das richtige sei. Dies interessiert aber nur die jenigen die sich sehr stark mit dem thema befassen, was aber normale Nutzer nicht machen würden, Tag ein Tag aus.

Harry
Geschrieben von Harry am 9. August 2025 um 18:43

Zuerst war ich ganz angetan von dem Artikel. Dann las ich noch einmal genau. Auch die Reaktionen auf den Beitrag. Über die Aussagen war ich ziemlich erschrocken: "Überwiegend linkspolitische Haltungen, "... abweichende Meinungen werden gefiltert, zensiert oder vollkommen unterdrückt", "(linker) Mainstream)", "Meinungsterror....).

Interessant zu wissen, woher diese Narrative ursprünglich stammen. Eine Recherche lohnt. Sie stammen nicht von der neuen gemäßigten (rechten) Mitte. Sie werden nur von ihr neuerdings vermehrt übernommen.

Ansonsten freue ich mich darüber, in einem Staat mit garantierter Meinungsfreiheit und ohne Zensur zu leben. Und wenn auf meine Äußerungen im öffentlichen Raum heftig reagiert wird, muss ich damit umgehen. Gehört zum Diskurs.

Kai
Geschrieben von Kai am 10. August 2025 um 18:19

"Und wenn auf meine Äußerungen im öffentlichen Raum heftig reagiert wird, muss ich damit umgehen. Gehört zum Diskurs."

Reagieren (von mir aus auch gerne heftig) ist nicht das Problem um das es hier geht. Eine Reaktion, Widerspruch, Gegenrede sind doch die gesunde Basis einer jeden Diskussion. Die sind unerlässlich und bilden das Fundament beim Meinungsaustausch. Was echt kaputt ist und nicht mehr funktioniert ist zum einen das offen zugelassende Gedankensprektrum bei vielen Themen, weil die durch (teilweise radikale) Ideologien und mit ganz bestimmten Narrativen durchsetzt sind. Beispielsweise Umwelt, Klima, Energie, Gendern, Feminismus, Ukraine oder das Wort Indianer, das berühmte Zigeunerschnitzel und die sog. "kulturelle Aneignung" usw ... Da muss man heute richtig aufpassen "das richtige" und nicht "das falsche" zu sagen, weil man sonst beleidigt, bedroht, ausgegrenzt wird oder auf die Fresse bekommt. Das gab es in diesen Ausmaßen noch niemals zuvor. Global betrachtet gibt es bestimmt kein vergleichbares Land, wo es in dieser Hinsicht so verbohrt und unflexible zu geht wie bei uns.

Zum anderen schalten grundsatzverbohrte Ideologen auf Feind um wenn jemand konträre Meinungen, Gegen-die-Ideologie gerichtete Ideen hat und versucht dies mit eigenen Argumenten zu begründen. Es wird nicht mehr zugehört. Es geht plötzlich nicht mehr um Argumente. Stattdessen werden Personen verbal angegriffen. Es folgt Abwertung und Diffamierung. Leute werden ungefragt, ungewollt und ganz pauschal in eine bestimmte, immer wieder "rechte", Ecke gestellt. Das NZ-Wort fällt unglaublich schnell. Der Meinungsaustausch, eine Diskussion und jede Form von Dialog wird durch so ein Verhalten unmöglich gemacht. Das sind die zwei Hauptprobleme die ich sehe und sie haben beide nichts mit dem Umgang auf Reaktionen zu tun.

Seit einiger Zeit existieren sog. Meldestellen gegen Hass, Hetze und gegen Rechts, die aktiv vom Staat mit Geld gefördert werden. Ist das nicht eine vollkommen unzulässige Verlagerung Verschiebung des Rechtsstaates in privatrechtliche NGOs (normalerweise sind Polizei und Staatsanwälte zuständig), die in Art einer Meinungskontrolle, und Anschwärtzungsinstanz funktionieren? Das ist der feuchte Traum der STASI gewesen! Die hätten sich über die technischen Denunziazions-Möglichkeiten einen Ast abgelacht, doch "wir" nehmen das heute als Gesellschaft völlig normal hin. Das finde ich sehr befremdlich.

Es ist einfach die Art & Weise wie wir insgesamt in einer Diskussion gemeinsam miteinander umgehen! Mir hat sehr gut gefallen was Folker hier in den Kommentaren über "die unterschiedliche Regeln und Maßstäbe" geschrieben hat, denn das ist die Hauptursache dafür das Leute bei Äußerungen der anderen Seite ein starkes Ungleichgewicht, eine quasi stigmatisierte Benachteiligung, empfinden. Was eine faire und argumentative Diskussionskultur betrifft, haben meiner Auffassung nach "Linke" eine um ein vielfaches höhere Bringschuld als "Rechte".

Vielen Dank GNU/Linux und ganz speziell an Lars, der sich getraut hat das Thema anzusprechen. D a n k e

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 10. August 2025 um 21:20

Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Viele Punkte, die du ansprichst, spiegeln eine weit verbreitete Sorge wider: dass Diskussionen heute oft nicht mehr offen und respektvoll geführt werden, sondern schnell in Lagerdenken und persönliche Angriffe abgleiten.

Ich stimme dir zu, dass Widerspruch und Gegenrede essenziell für eine lebendige Debattenkultur sind. Eine Gesellschaft braucht unterschiedliche Meinungen, und es sollte möglich sein, auch unbequeme Fragen zu stellen, ohne gleich ausgegrenzt zu werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir bei sensiblen Themen wie Klima, Gender oder kultureller Aneignung versuchen, die Perspektiven anderer ernst zu nehmen – auch wenn wir sie nicht teilen. Sprache verändert sich, und das kann verunsichern, aber es ist auch Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklung.

Was die Meldestellen gegen Hass und Hetze betrifft: Die Idee dahinter ist, Menschen zu unterstützen, die online beleidigt oder bedroht werden – ein reales Problem. Dass solche Stellen staatlich gefördert werden, kann man kritisch sehen, vor allem wenn es um Transparenz und rechtsstaatliche Kontrolle geht. Aber der Vergleich mit der STASI ist aus meiner Sicht zu drastisch und historisch schwierig. Es geht hier nicht um flächendeckende Überwachung, sondern um den Versuch, mit neuen Herausforderungen im digitalen Raum umzugehen.

Dein Punkt zur Polarisierung ist ebenfalls wichtig. Wenn Diskussionen nur noch ideologisch geführt werden und man sich gegenseitig in Schubladen steckt – „rechts“, „links“, „Nazi“, „Woke“ – dann wird echter Austausch unmöglich. Das betrifft alle Seiten. Ich glaube nicht, dass eine bestimmte politische Richtung eine höhere „Bringschuld“ hat. Verantwortung für einen respektvollen Umgang tragen wir alle – unabhängig von unserer Haltung.

Am Ende geht es darum, wie wir miteinander reden. Zuhören, nachfragen, aushalten, dass andere anders denken – das ist die Grundlage für jede demokratische Gesellschaft. Und ja, das ist manchmal anstrengend, aber auch notwendig.

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 03:10

Danke Ralf,

Ich glaube das miteinander reden, zuhören, nachfragen und aushalten muss wieder neu gelernt werden. Wir beide sind eine Generation die das noch gelernt hat. Die heutigen jungen Menschen scheinen das weniger zu können. Das sehe ich auch täglich im Freibad.

Arepo
Geschrieben von Arepo am 9. August 2025 um 22:10

Ach, ich finde man darf den politischen Gegenwind im Fediverse nicht so ernst und persönlich nehmen. Klar, viele haben sich dort in einer naiven, kleinbürgerlichen Wohlfühllinkstümelei eingerichtet - niedlich, harmlos und so ernst zu nehmen wie ein Dackelwelpe - aber mei, lasst sie doch.

Und klar, viele dort reagieren auf Widerspruch und andere Sichtweisen verschnupft bis weinerlich. Das wirkt dann nicht gerade souverän aber, und das ist der Trick, auch das ist ok. Man kann die Leute in ihrer Dünnhäutigkeit, ihrer Naivität, mit ihren Irrtümern trotzdem als Mensch annehmen und wertschätzen, noch in dem Moment in dem sie offensichtlich falsch liegen.

Klar sitzt bei manchem der Blockbutton locker. Ist doch ok. Mach dir deine Timeline widdewiddewie sie dir gefällt! Und wenn meine Beiträge nicht zu deinem Wohlbefinden beitragen, dann, ich bitte darum, sperr sie weg! Kein noch so richtiges Argument im Fediverse ist es Wert, schlechte Laune zu bekommen.

Und vielleicht als Letztes: Was im Fediverse meiner Wahrnehmung nach toll klappt, ist, dass Diskussionen fast nie mit persönlichen Angriffen geführt werden. Eher blockt man jemanden, bevor man ihn einen Deppen schimpft. Sehr angenehm. Ich hatte da schon mit den bizarrsten Typen zu tun. Fahrradfahrer, Leute die Hunde ernsthaft gut finden (als Haustiere!), Menschen die freiwillig Zug fahren. Selten wird man sich einig. Fast immer ist ein respektvoller Austausch, manchmal sogar mit feiner Ironie, möglich. Ich finds Klasse.

Rolf
Geschrieben von Rolf am 10. August 2025 um 21:16

Alle paar Wochen erscheint so ein Beitrag, gern von Leuten, die sich als "Weder rechts, noch links" sehen als sei so etwas möglich, stets ohne Belege, als Beispiel muss immer irgendein technikkram wie Windows 11 herhalten. Die Schneeflöckchenhaftigkeit ist ausgeprägt.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 10. August 2025 um 22:04

Würdigst Du diesen Artikel, oder nicht? Sich den Ausreisser "weder rechts, noch links" herauszugreifen, finde ich schwach. Mir gefällt Lars Artikel gut, weil er sich um Ausgleich bei der Meinungsäusserungsfreiheit bemüht. "Weder rechts, noch links" ist ein anderes Thema, dem ich mich gerne im nächsten Wochenendartikel widme.

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 03:15

Das mag sein, Rolf, dass immer wieder so ein Artikel erscheint. Ich musste mir das von der Seele schreiben. Hier geht es nicht um Technik, sondern eher darum, dass kein offener Diskurs mehr möglich ist, ohne direkt diffamiert zu werden.

Uwe
Geschrieben von Uwe am 10. August 2025 um 21:50

Meinungsfreiheit.... Teilweises Zitat

Bärbel Bohley: Die Frau, die es voraussah

...„Das ständige Lügen wird wiederkommen“

Sofort war Übereinstimmung hergestellt. Und nun sagte sie etwas, was ich nie vergaß. „Alle diese Untersuchungen“, sagte sie, „die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen.“

Als wir verblüfft schwiegen, fuhr sie fort: „Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“

An diese Sätze denke ich oft. Wir haben bald nach diesem Abend Berlin verlassen, sind nach Israel gegangen. ....

Teilweises Zitatende

Quelle

Chaim Noll

https://www.achgut.com/artikel/baerbel_bohley_die_frau_die_es_voraussah/P10

Jessica
Geschrieben von Jessica am 11. August 2025 um 18:43

Ein Narrativ, das mir im Fediverse auffällt: Autofahrer sind immer böse, Radfahrer sind immer gut. Obwohl auch Radfahrer zu Fußgängern ziemlich arschig sein können. Zum Beispiel, wenn sie in Fahrtrichtung links unterwegs sind und arrogant erwarten, dass der Pöbel gefälligst aus dem Weg springt, damit Graf Koks von der Gasanstalt durchzischen kann. (Fairerweise muss ich allerdings anfügen, dass auch E-Scooter-Fahrer dieses Verhalten sehr gerne zeigen.)

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 03:20

Hallo Jessica,

Ja das Thema Radfahrer sind die Guten und Autofahrer per se die schlechten kommt fast täglich und irgendwie nervt diese Diskussion darüber.

Kai
Geschrieben von Kai am 12. August 2025 um 00:58

Im Fediverse schreibt jetzt jemand zu diesem Artikel ein Super-Paradebeispiel!: "Wer behauptet, weder rechts noch links zu sein, ist rechts. Immer.". Danke, genau DAS ist das Phänomen um das es geht! Das Meinungspendel schwingt nur in eine, immer wieder die gleiche, Richtung.

Und weiter "Dann die alte Leier/Lüge von fehlender Meinungsfreiheit. Die Meinungsfreiheit ist hier nicht (über das gesetzliche Maß) eingeschränkt. Hier findet keine Zensur statt und es wurde noch niemand verhaftet. Wer mir mit "Meinungsfreiheit" kommt, muss mir als erstes ein existierendes Beispiel nennen, wo in Deutschland (oder im Fediverse) jemand für seine Meinung verhaftet wurde."

DAZU: Es gab und gibt seit der rot-grünen Regierung reihenweise massig Anzeigen und Hausdurchsuchungen wegen der Verbreitung von Memes, wegen dem Posten auf Facebook oder Twitter/X. Vieles davon waren IMHO einfach nur regierungskritische Meinungsäußerungen und man hat den Leuten einfach die Tür eingetreten und alle elektronischen Geräte beschlagnahmt obwohl die Betroffenen nicht einmal ihre Urheberschaft bestritten haben. Einigen anderen hat man das Bank-Konto gekündigt oder beim Arbeitgeber angeschwärzt. Damt kann man auch Leute mundtot machen oder ihr Leben zerstören, eine Verhaftung braucht es dafür nicht. Und das im Fediverse alles ausschliesslich nur nach linken Regeln & Maßstäben abläuft und alles, was auch nur den allerkleinsten Anschein erweckt irgendwie "rechts" zu sein geblockt und abgeschaltet wird ist kein Geheimhis, wurde doch hier Stück für Stück ausgiebig beschrieben.

Ich muss nicht für oder gegen links oder rechts sein, um zu begreifen das das Gleichgewicht erheblich gestört ist, weil das Pendel schon sehr lange und viel zu stark ständig immer nur in die eine gleiche Richtung zeigt. Man kann nur hoffen das sich das Meinungspendel irgendwann wieder von ganz alleine etwas mehr in die Mitte unserer Gesellschaft bewegt. Hoffentlich lässt dieser Prozess keine neue radikale RAF enstehen, ähnlich Antifa oder den Klima-Kleber-Beschmierern, die auch beide davon überzeugt sind mehr Rechte als alle anderen Menschen zu haben.

Und um den Kreis zu schliessen und damit zurück auf das Fediverse zu kommen: Dort braucht es genauso wie in unserer Gesellschaft GLEICHE Regeln & Maßstäbe für alle Menschen und Meinungen und keine ausschliesslich linken Regeln & Maßstäbe! Das gleiche gilt IMHO auch für den allermeisten WOKE-Kram, denn wenn man es mal komplett zu Ende denkt und wirklich jede kleine Randgruppe ihre ganz speziellen Sonderforderungen an "Die Gesellschaft" stellen kann und erfolgreich durchdrückt, wird es irgendwann keine Mehrheits-Gesellschaft mehr geben. Nur noch viele kleine Splittergruppen die sich gegenseitig nicht leiden und nicht respektieren. Wokeness zerstört den Konsens, den größten gemeinsamen Nenner aller Leute ... so kann man eine Gesellschaft und ihre Struktur auch erfolgreich kaputtmachen. Mit anderen Worten: Vielleicht sollten wir besser nach Gemeinsamkeiten suchen, diese teilen und verbreiten, anstatt das wir uns selbst alle kleine Bubble-Burgen bauen und jeder sich wie ein ständig im Kampfmodus befindlicher Einzelritter fühlen und aufführen muss.

Max
Geschrieben von Max am 12. August 2025 um 11:51

Danke für den Kommentar! Hier sieht man sehr schön, wo das Problem liegt. "Jeder der sagt er ist weder rechts noch links ist immer rechts [und damit quasi der Feind]" Ich hab das noch nie von einem "Rechten" gehört, dass so jemand sagen würde: "Was, du bist nicht rechts und nicht links? Dann musst du aber links sein!" Oder "Was, du hast eine andere Meinung als wie ich? Dann musst du links sein!"

Leute, seid doch mal etwas toleranter... Und erklärt nicht gleich die ganze Person zum Feind, nur weil euch eine seiner Äußerungen nicht gefällt..

Hab gerade ein Video von einem Tierschützer gesehen (Robert Marc Lehmann) der sich jetzt komplett aus dem Haus- und "Nutz-" tierschutz zurück zieht und nur noch für Wildtiere arbeitet. Weil er so extrem stark angegeindet wurde. Nicht von Geflügelbauern. Sondern von Veganern... (Weil er mal irgendetwas gesagt hat was anderen aus der selben Blase nicht gefällt. Dann wird gleich der ganze Mensch zur Persona non Grata und mit den übelsten Methoden angegriffen, anstatt dass dann darüber sachlich argumentiert wird und er höflich auf eventuelle Fehler hingewiesen wird) Schade, aber verständliche Reaktion. Er erwähnt auch eine Tierschützerin, die wegen zu großem Terror aus den eigenen Reihen Suizid begangen hat. Sehr tragisch ..

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 13. August 2025 um 03:24

Danke für den super Kommentar! Stimme dem 1000% zu und trifft den Nagel auf den Kopf!

Ping Ping
Geschrieben von Ping Ping am 13. August 2025 um 17:13

Auf den Punkt, Dein Beitrag! Dem kann ich nur 100% zustimmen. Interessant die Beiträge zum Thema Radfahrer = gut/ Autofahrer = böse. Das fällt mir schon lange auf. Ich fahre viel Rad in Frankfurt und gelegentlich Auto und kann nur sagen, Radfahrende sind definitiv nicht die besseren Menschen. Es gibt in dieser Gruppe garantiert die selbe Anzahl rücksichtsloser, respektloser Menschen wie bei Autofahrern. Wie hier teilweise andere Verkehrsteilnehmer:innen (zu Fuß, per Rad, per Auto) beschimpft oder bedrängt werden ist beeindruckend. Aber, sprich das mal im Fediverse an, ein Sh*tstorm ist garantiert. Genauso was andere erwähnten in Bezug auf alles jenseits von Open Source. Mit Belehrungen wird niemand zu solchen Lösungen wechseln. Intoleranz in der Linken Szene ist auch nicht neu, aber aus dieser Gruppierung sind halt viele auf Mastodon verteten. Sachliche Diskussionen zum Thema Einwanderung, Bürgergeld etc. sind da selten möglich. Als jemand der einer erfahrenen Sozialarbeiterin nahesteht weiß ich zumindest, dass es sehr wohl auch große Probleme in Migrantenfamilien geben kann (Drogen, Gewalt, religiöser Extremismus, kein Interesse die Sprache zu lernen…) und auch nicht jeder/jede gewillt ist zu arbeiten sondern manche lieber von Sozialleistungen leben. Ich hoffe, dass die Meinungsvielfalt auf Mastodon größer wird, habe da aber wenig Hoffnung.