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Kollaborativ geschriebene News und ein Podcast über Linux und Freie Software


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Frei wie ein König

Das Schachspiel erfreut sich wieder einer zunehmenden Beliebtheit

Mo, 14. September 2020, Ralf Hersel

Der Titel dieses Beitrags ist eigentlich falsch; beim Schachspiel ist keine Figur unfreier als der König. Da es im Umfeld freier Software jedoch viele Möglichkeiten gibt, Spass am Spiel der Könige zu haben und sich dabei wie ein König oder einige Königin fühlen kann, passt die Überschrift trotzdem. Der Vorläufer des strategischen Brettspiels wurde bereits um 600 n. Chr. in Nordindien gespielt. Über Persien gelangte das Spiel dann ins mittelalterliche Europa.


In letzter Zeit findet Schach immer mehr Beachtung im E-Sports Bereich. Das alte Spiel scheint nach und nach den Nimbus des Verstaubten und Onkeligen zu verlieren. Grossmeister Hikaru Nakamura hat bei seinen Spielen und Analysen auf Twitch bis zu 6-stellige Zuschauerzahlen. Auch bei jüngeren und weiblichen Spielerinnen und Interessierten boomt das Brettspiel, wie man in den Streams von Alexandra Botez und Anna Rudolf sehen kann.

Wer nicht nur zuschauen, sondern selbst einmal das aufregendste Spiel der Welt ausprobieren möchte, hat in der freien Welt viele Möglichkeiten. Für den Einstieg, kann man z.B. GNOME Chess aus den Repos installieren. Für fortgeschrittene Ansprüche empfehle ich die Programme PyChess und ChessX. Ersteres bietet wesentlich bessere Funktionen als das basale GNOME Chess, ist aber immer noch einfach und benutzerfreundlich genug, um nicht sofort frustriert aufzugeben. Früher oder später landen viele Spieler bei ChessX, welches keine Wünsche offen lässt, wenn es um Konfigurierbarkeit, Datenbanken, Analyse und Online-spielen geht. Dafür ist die Lernkurve etwas höher, die jedoch durch die gute Dokumentation wieder abgeflacht wird.

Bei allen Schachprogrammen handelt es sich nur um Bretter mit Verwaltungsfunktionen. Die eigentlichen Schach-Engines sind ein Thema für sich, worauf ich nicht näher eingehen möchte. Nur so viel, nehmt Stockfish und macht euch keine weiteren Gedanken darüber. Anfänger sollten die Spielstärke der Engine auf die niedrigste Stufe einstellen.

Ralf gegen Stockfish auf LiChess.org

Wer im Internet spielen möchte, dem kann ich LiChess.org wärmstens empfehlen. Dieses freie Schachportal bietet sehr viel; Spielen mit Freunden oder Fremden, Lernen, Zuschauen, Analysebrett, Eröffnungsdatenbank, und noch mehr. Spielt man dort eine Partie mit einer fremden Person, so werden die Spielstärken aufeinander abgeglichen, so dass man nicht nach drei verlorenen Spielen das Notebook aus dem Fenster wirft.

Mobilen Schachfreunden empfehle ich die Android-App DroidFish aus dem F-Droid Store. Wie der Name vermuten lässt, verwendet die App auch die Stockfish-Engine.

Wer nun Lust an einer Partie Schach gewonnen hat, kann sich gerne an mich wenden, um ein paar Figuren auf LiChess zu schieben.

Woran Freie Software scheitern kann

Aus dem Nähkästchen des Projektmanagements von Freien Software Projekten.

Fr, 11. September 2020, Lioh Möller

Prägnanter Titel, aber nein wir betreiben kein Clickbaiting. Vielmehr geht es darum einige Erfahrungen aus meiner langjährigen Zeit im Bereich Open-Source-Projektmanagement und Consulting zu teilen. Als Beispiel möchte ich eine grossflächige Migration zu einer Freien Office Suite beschreiben.

Office deshalb, weil es eines der schwierigsten Themen überhaupt ist, insbesondere im kommerziellen Umfeld. Microsoft Office ist quasi gesetzt, egal ob unter Windows oder Mac. Über die Jahre hinweg haben viele Anwender ihren eigenen Workflow entwickelt und gelernt mit den Stärken und Schwächen von MS-Office umzugehen. Dazu gehören Makros für Berechnungsläufe ebenso wie sehr komplexe VBA (Visual Basic for Applications) Erweiterungen. Im Falle einer Migration gilt es diese zu ermitteln und gegebenenfalls neu zu implementieren oder durch vorhandene Freie Alternative zu ersetzen.

Oftmals wird diesem Teil in Projekten zu wenig Zeit eingeräumt, was zu Verzögerungen oder sogar zu einer Gefährdung des gesamten Projektes führen kann. Insbesondere dann, wenn während der Durchführungsphase Überraschungen auftreten nach dem Motto "ach das hatte ich auch noch, hatte ich ganz vergessen zu erwähnen, ist aber super wichtig".

Ein weiterer Punkt ist, dass die Personen die viel Zeit und Hirnschmalz in die Verbesserung ihrer Abläufe gesteckt haben auch durchaus zurecht stolz darauf sind und diese nur sehr ungern abgeben möchten, auch wenn diese bereits 10-jährig sind und technologisch wohlmöglich längst überholt sind. Letzteres spielt in solch einem Falle keine Rolle, denn es geht um persönliches Befinden, welches abzuholen gilt. Dies kann einerseits durch Wertschätzung geschehen, andererseits durch das Anbieten von konkreten Alternativen oder dem Erklären der neuen (hoffentlich besseren) Abläufe.

Wird dieser Schritt versäumt, sind es genau diese Menschen, die das Projekt  gefährden können. Denn von dort kommt sonst zum Teil berechtigte, zum Teil unberechtigte Kritik in der Form von "mit meinem alten Office Programm hat das aber alles super funktioniert, das ging auch viel einfacher und schneller". Und da sich die Betroffenen ihre vertraute Lösung zurück wünschen, werden sie dies in den allermeisten Fällen laut kundtun, sei es beim Vorgesetzten, in Sitzungen oder an Tagungen.

Die eigentliche Umsetzung der Anforderungen ist nach meiner Erfahrung oftmals viel schneller durchzuführen als das Ermitteln der Bedürfnisse. In der Projektplanung sollte dies unbedingt berücksichtigt werden.

Hat man diesen wichtigen Punkt erkannt, können oft tolle Erfolge berichtet werden, wie zum Beispiel in einer Migration die ich betreut habe. Dort hat die Chefsekretärin einen Ablauf mittels Makros in Excel genutzt, den sie jeden Morgen durchführen musste. Der gesamte Lauf dauerte 10 Minuten. In ihrem Tagesablauf hat sie das Makro angestossen, dann erst einmal Café gekocht und die Kollegen versorgt. Als sie damit fertig war, lagen die geforderten Ergebnisse auf dem virtuellen Schreibtisch.

Mit der Neuimplementierung in LibreOffice dauerte dieser Vorgang nur noch wenige Sekunden, was ihr ganz neue Freiheiten ermöglichte. Die gewonnene Zufriedenheit wurde selbstverständlich intern kommuniziert und warf ein sehr positives Bild auf die Migration.

Gelingt es uns als Community zusammen mit Dienstleistern, welche im Freien Software Umfeld tätig sind, eine valide Alternative zu schaffen, haben wir eine einzigartige Chance genutzt. Denn entgegen vieler Mutmassungen bildet eine Office-Suite auch heute noch oftmals das Rückgrat eines Unternehmens. Selbst Google (oder Alphabet Inc.) ist dieser Schritt mit der zugegebenermassen sehr eingeschränkten Cloud Office Suite noch nicht gelungen. LibreOffice hingegen steht dem kommerziellen Gegenspieler in nichts nach, im Gegenteil, es ist in vielen Bereichen sogar weitaus mächtiger.

SFD 2020 aus Melbourne

Dieses Jahr wird der SFD von Free Software Australia in Melbourne gehosted.

Fr, 11. September 2020, Lioh Möller

Der Software Freedom Day (SFD) wird in diesem Jahr von Free Software Australia gehosted und findet am Samstag den 19. September 2020 online statt.

Auf dem Programm stehen viele interessante Vorträge, unter anderem Give Me Convenience Or Give Me Death von Dr Morgan Leigh, Good, better, breast: Building a sensing mastectomy prosthetic with open hardware von Kathy Reid sowie ein Vortrag von Frank Karlitschek in dem er darüber berichtet, wie Nextcloud dabei geholfen hat in der Pandemie-Zeit erfolgreich arbeiten zu können. Den krönenden Abschluss bildet ein Vortrag von Mike Saunders & Italo Vignoli zur Geschichte und Zukunft von LibreOffice.

Der Software Freedom Day wird über Big Blue Button durchgeführt werden und eine Teilnahme ist für alle Interessierte kostenfrei. Free Software Australia legt besonderen Wert auf Inklusion und Diversität, was durch einen entsprechenden Code of Conduct untermauert wird.

Aufgrund der australischen Zeitzone AEST in der die Veranstaltung durchgeführt wird, ist bei einer Teilname aus Europa eine gute Planung wichtig.

Quelle: https://freesoftware.org.au/blog/software-freedom-day-19th-of-september-2020/

Kollaborative Freie Software Plattform

Die FSFE hat im Rahmen der "Public Money? Public Code!"-Kampagne ein Konzept für ein deutsches Code-Repository entworfen und vorgestellt.

Fr, 11. September 2020, Joël Schurter

In ihrem Blog hat die FSFE ein Konzept vorgestellt, mit welchem eine kollaborative Freie Software-Plattform (ein sog. Code-Repository) aufgebaut werden soll. Mitunter ausschlaggebend für den Entwurf dieses Konzepts war die "Public Money? Public Code!"-Kampagne der FSFE.

Ziel des Projekts/Konzepts ist es, ein kollaboratives Code-Repository aufzubauen, auf welchem Hochschulen, Verwaltungen und andere Institutionen ihre Software veröffentlichen und für andere freigeben können. Dank des quelloffenen Codes können Sicherheitslücken schneller geschlossen werden, was insbesondere im Finanz- und im Verwaltungswesen ein grosser Vorteil ist.

Quelle: https://fsfe.org/news/2020/news-20200910-01.de.html

Hintergrund-Paper zum Projekt (.pdf): https://download.fsfe.org/policy/papers/20200910-Ein-Ort-fuer-oeffentlichen-Code.v1.pdf

Warntag mit Freier Software

Offizielle Warnmeldungen mit Freier Software erhalten.

Do, 10. September 2020, Lioh Möller

Heute ist offizieller bundesweiter Warntag in Deutschland. Neben den klassischen Sirenentests werden die Warnmeldungen auch via App übermittelt. Die Warn-App NINA ist allerdings bislang nicht als Freie Software verfügbar (die FSFE hat eine entsprechende Initiative gestartet). Bis dahin bleibt Menschen die keine proprietären Anwendungen installieren möchten kaum eine Alternative. Dem hat sich vor einiger Zeit das Projekt FediNINA angenommen, welches automatisiert Warnmeldungen aus verschiedenen Quellen auf entsprechende Fediverse Accounts publiziert. So können Nutzer von Mastodon, Friendica oder ähnlichen Fediverse-Clients zeitnah Warnmeldungen erhalten. Die unterschiedlichen Accounts sind nach Gebietskörperschaften gegliedert und können je nach Aufenthaltsort oder Interesse abonniert werden.

Alternativ ist es möglich den Accounts via RSS zu folgen, indem man an den Accountnamen ein .rss anhängt. Die Feeds werden automatisch von Mastodon erzeugt. Ein Beispiel wäre: https://social.prepedia.org/@FediNINA_Bielefeld.rss

Es bleibt dennoch zu hoffen, dass der Quellcode der offiziellen App kurzfristig unter einer Freien Lizenz zur Verfügung gestellt wird.

Quelle: https://meta.prepedia.org/wiki/FediNINA

Arch Linux veranstaltet Bug Squashing Tag

Das Arch Linux Projekt möchte an einem Bug Squashing Tag die Anzahl der offenen Tickets reduzieren.

Do, 10. September 2020, Lioh Möller

Am kommenden 13. September veranstaltet Arch Linux einen etwas martialisch betitelten 'Kill Arch Bugs'-Tag. Anwender und Entwickler werden aufgefordert die hohe Anzahl an offenen Bugreports zu reduzieren. Nutzer die ein Ticket erstellt haben, sollten dies auf Gültigkeit überprüfen und gegebenenfalls weitere Informationen liefern oder das Ticket schliessen, falls das gemeldete Problem in der Zwischenzeit behoben worden ist.

Die Kommunikation am Bug Squashing Tag findet via IRC auf #archlinux-bugs im irc.freenode.net Netzwerk statt. Da das Arch Linux Projekt wie viele Freie Software Projekte in unterschiedlichen Zeitzonen verankert ist, kann nicht garantiert werden, dass die Kommunikation synchron stattfindet. Meldungen zu Ticket können allerdings an alle verfügbaren Entwickler abgegeben werden.

Verantwortliche Entwickler werden ausserdem aufgefordert ihre Mailbox auf etwaige Kommentare zu Bugreports hin zu prüfen.

Quelle: https://www.archlinux.org/news/kill-arch-bugs-help-us-on-the-13th-of-september/

digiKam 7.1 veröffentlicht

Von der Foto-Verwaltungs-Software digiKam ist die Version 7.1 mit einigen spannenden Neuerungen erschienen.

Do, 10. September 2020, Joël Schurter

Die beliebte Foto-Management-Anwendung digiKam ist in der Version 7.1 mit einigen spannenden Features erschienen.

Eine der wohl grössten Neuerungen ist die verbesserte Unterstützung der Canon CR3-Dateien (RAW-Format). Ein ebenfalls sehr interessantes Feature ist die automatische Hot-Pixel-Korrektur. Zwar existierte diese Funktion schon in früheren Versionen, doch wurde dieses Feature mittels eines sog. Batch Queue Manager Plugins stark verbessert.

Release-Notes: https://www.digikam.org/news/2020-09-06-7.1.0_release_announcement/

Nextcloud fordert eine digital souveräne Schulcloud

Freie Software in Schulen ist leider immer noch selten. Nextcloud möchte dies ändern und bietet zusammen mit IONAS eine Lösung an.

Do, 10. September 2020, Lioh Möller

Der Anbieter der Open Source Cloudlösung für kollaborative Zusammenarbeit und Dateiaustausch Nextcloud sieht die aktuelle Entwicklung an deutschen Schulen als kritisch an. Aufgrund der für alle überraschend eingetretenen Pandemie waren und sind viele Schule schlichtweg überfordert und haben in der Not zu einem schnell verfügbaren Strohhalm gegriffen. Sei es Zoom oder Microsoft 365 mit Teams, welches bereits bei vielen Schulen zum Einsatz kommt. Doch laut Hersteller verlieren Schulen damit ihre Eigenständigkeit und letztendlich auch die Kontrolle über die Daten der Schüler und des Personals.

Auch von betroffenen Schülern und Eltern wird Kritik laut. Viele sind nicht bereit ihre Dokumente und Daten in die Hände eines amerikanischen Anbieters zu legen. Ein rechtlicher Rahmen ist nur bedingt gegeben und es ist nur schwer zu überprüfen, wer tatsächlich alles Zugriff auf diese Daten erhält.

Ein weiterer angeführter Punkt ist die Stärkung der inländischen Wirtschaft. Und genau dort positioniert sich Nextcloud. In Zusammenarbeit mit IONAS wird eine Software-as-a-Service Lösung für Schulen angeboten, um einen ähnliche geringen Betriebsaufwand zu bieten, wie es zum Beispiel bei Produkten von Microsoft der Fall ist. Laut Nextcloud kann die angebotene Lösung ohne Weiteres von Millionen von Schülern gleichzeitig genutzt werden. Die Kosten liegen dabei unter denen eines vergleichbaren Angebotes von Microsoft und die Daten werden ausschliesslich in Deutschland DSGVO konform verarbeitet.

Quelle: https://nextcloud.com/blog/eine-digital-souverane-schulcloud/