Plume - Eine kurze Übersicht

Mo, 29. August 2022, Aljoscha Rittner

Im Rahmen einer Serie zur Vorstellung von Fediverse-Diensten, bat mich @fabianschaar@anonsys.net einen kleinen Erfahrungsbericht zu Plume zu schreiben, weil ich Plume als Software für meine Blogs verwende. Die Instanz wird auf tchncs.de zur Verfügung gestellt.

Fabian hat schon einen kleinen Bericht zu WriteFreely geschrieben und ich werde mal meine Erfahrungen zu Plume beitragen.

Ein Blog? Viele!

Plume ist eine Blogsoftware, die schon von Hause aus als Multi-Blogsystem ausgelegt ist. Es ist möglich, mehrere Themen auf verschiedene Blogs unter einem Fediverse Account zu führen. Das erleichtert enorm die Organisation, wenn man nicht für jeden Blog einen neuen Account benötigt, sondern nur eine Instanz.

Die Blogs werden im Dashboard verwaltet, die man dort sehr einfach anlegen kann:

Das Schöne ist, dass man das nur nutzen muss, wenn man es braucht. Es spricht nichts dagegen, erst mal nur mit einem Blog anzufangen. Allerdings gibt es zurzeit keine Möglichkeiten, Blog-Artikel zu anderen Blogs zu verschieben.

Einen Artikel schreiben

Hat man einen Blog mit einem Namen angelegt und sich dafür ein Header-Bild gebastelt, kann man direkt loslegen. Plume verhält sich ähnlich wie WriteFreely, was die Nutzung von Common-Markdown betrifft. Der Standard-Editor von Plume erwartet alle besonderen Format-Auszeichnungen in der bekannten Markdown-Syntax. Damit steht ein sehr großer Satz an Formatierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wenn das nicht reichen sollte, kann man auch HTML-Auszeichnungen verwenden.

Hier ein Blick auf den Editor:

Plume bietet auch einen Richtext-Editor an, der ein WYSIWYG Feeling geben soll. Allerdings ist der in einem frühen Alpha-Stadium und man sollte es nicht versuchen, damit größere Texte zu schreiben.

Artikel illustrieren

Man sieht dem Editor an, dass dieser stark reduziert ist und nicht viel Unterstützung bei der Formatierung bietet. Die Markdown-Syntax sollte man kennen und auch das Einfügen von Bildern ist gewöhnungsbedürftig. Bilder muss man vorab in einer Galerie hochladen (das geht aus dem Dashboard) und nach dem Hochladen, bekommt man einen Mark-Down-Link, den man in den Text einfügen muss. Der Link besteht nur aus einer Nummer und ist der besondere Hinweis für Plume, das Bild aus der eigenen Datenbank zu lesen:

Dabei unterstützt Plume auch das Anlegen von einer Content-Warnung für das Bild, ganz wie man es im Fediverse gewohnt ist.

Artikel für das Fediverse

Die Besonderheit von Plume ist es, dass es fest in das Fediverse integriert ist. Plume *spricht* #ActivityPub und ist damit mit allen anderen Diensten und Usern im Fediverse vernetzt. Plume nutzt dafür auch ein paar spezielle Funktionen, um das nützlich zu machen.

Zu der Überschrift gibt es einen Untertitel. Die Überschrift und der Untertitel werden zu der Post-Nachricht im Fediverse zusammengesetzt. Dabei kann der Untertitel sehr lang werden (sogar mehr als 500 Zeichen). Der Link zu dem Blog-Artikel wird der Nachricht hinzugefügt (ansonsten macht das wenig Sinn) und darüber hinaus sammelt #Plume alle Hashtags aus dem Artikel. Diese Hashtags kann man mit einer eigenen Liste ergänzen:

Ihr seht im oberen Screenshot, dass im Text zwei Hashtags auftauchen (die ja in der Nachricht im Fediverse nicht zu sehen sein werden, weil der Blog-Artikel nur verlinkt wird). Unter dem Text gibt es ein Eingabefeld für weitere Tags. All diese Tags werden (in bester SEO Manier) der Nachricht für das Fediverse hinzugefügt und jede Person im Fediverse, die nach diesen Hashtags sucht (oder Hashtag-Timelines eingerichtet hat), wird diesen Artikel unmittelbar in seiner Suche oder Timeline sehen.

Das ist eine bedeutungsvolle Funktion in Plume, da nur so überhaupt der Blog mit seinen Artikeln eine Reichweite erhalten kann. Das Fediverse ist darauf ausgerichtet, alles nach Tags zu kategorisieren und Plume erlaubt es, eine wahrlich lange Liste an Tags zu erstellen.

Fazit

Was Plume nicht ist

Plume ist auf keinen Fall mit Content-Systemen wie WordPress zu vergleichen. Weder Plugins sind möglich, noch bietet Plume sehr viele Optionen sein Blog zu strukturieren (insbesondere Serien, die Blog-Artikel miteinander verknüpfen, vermisse ich). Auch sind verschiedene optische Themen auf das beschränkt, was der Administrator installiert hat. Aktuell gibt meistens nur ein helles und ein dunkles Thema. Wenn ihr eine eigene Instanz aufsetzt, habt ihr natürlich mehr Möglichkeiten. Es wäre aber ratsam mal bei dem Admin eurer Instanz nachzufragen, ob er ein Plume installiert oder ihr schaut, ob ihr ein Blog bei fediverse.blog anlegt, um euch zunächst damit vertraut zu machen.

Die Galerie wird bei vielen Bildern schon unübersichtlich und wenn man Common-Markdown noch nicht so kennt, wünscht man sich ein paar Formatierungshilfen.

Was noch an Plume zu tun ist

Ein paar Worte zum Entwicklungsstand: Es fehlen viele Funktionen. Der Richtext-Editor ist nicht wirklich zu nutzen, der Markdown-Editor braucht Hilfsfunktionen für Formatierungen. Außerdem fehlen wichtige Backup-Funktionen und eine API, damit man Plume "fernsteuern" kann (wie man es von vielen anderen Diensten im Fediverse auch kennt, schaut unter anderem die Mastodon.py Bibliothek an).

Was aber in Plume existiert, funktioniert robust und sehr schnell.

Die Community an Entwickler*innen ist klein, aber vielleicht sind da Rustaceans, die sich jetzt für das Projekt erwärmen können und mal schauen, ob eine Contribution möglich ist.

Was Plume besonders macht

Die Integration ins Fediverse ist schon ausgezeichnet. Besonders die Zusammenstellung eines Blog-Artikels mit der Überschrift, dem Untertitel und den Tags ist hervorragend. Zudem können User*innen im Fediverse mit ihren Apps direkt die Artikel kommentieren, Liken oder Teilen. Bilder können mit einer Content-Warnung versehen werden und ein Blog-Artikel kann mit einem Lizenzkennzeichen versehen werden.

Plume bietet eine Timeline für die eigene Instanz (lokale Timeline) und hat eine Timeline aus dem Fediverse (föderierte Timeline). Außerdem gibt es eine Benachrichtigung-Timeline und man kann sich per E-Mail-benachrichtigen lassen.

Plume kann auch eigenständig (ohne Fediverse-Anbindung) arbeiten und hat neben der eigenen Benutzerdatenbank auch eine LDAP-Anbindung.

Plume erlaubt es auch unterschiedliche Computersprachen als Code-Abschnitte mit Syntax-Highlighting auszuzeichnen. Das macht Plume für Programmierer zu einem ausgezeichneten Werkzeug, über die eigene Arbeit zu schreiben.

Plume ist in Rust entwickelt und zeichnet sich durch eine außerordentliche Performance mit geringer Speicherauslastung und hoher Verfügbarkeit aus. Das ist besonders für Administratoren von Servern von Belang ist, die auf ihre Kosten schauen müssen.

Plume arbeitet mit SQLlite und PostgreSQL zusammen und hat ein CLI zur administrativen Arbeit mit der Plume Instanz.

Plume ist OpenSource, wird auf GitHub gehostet und steht unter AGPLv3. Die Entwicklung vernetzt sich über Matrix (#plume-blog:matrix.org).

Die reduzierte Bedienung sollte man nicht als Nachteil sehen, sondern als Gewinn für eine fokussierte Arbeit am Artikel.

Ich denke, man sollte Plume mal eine Chance geben - es lohnt sich. 😊

Hinweis: Die Bilder in diesem Text sind grösstenteils Screenshots von Aljoscha Rittner. Das Beitragsbild ist ein Ausschnitt aus der offiziellen Webpräsenz des Plume-Projekts.

Tags

Fediverse, Plume, Blogging, ActivityPub